2017-07 Balkan-Tour Teil III (Finale)

Die Vollendung unserer Balkan-Tour in Albanien und der Heimweg zurück in die Schweiz, der "etwas" anders kam, als geplant....

 

Tag 11, Mittwoch 19.07.2017

POI: Shënmeri - Kukës -Peshkopia - Klos ~ 200km

 

Wir stehen heute um 08:00 etwas zu spät und widerwillig auf.  Ich bin schon etwas vorher wach und schaue mir noch kurz den "Tatort" vom Vorabend an. Wie vermutet: Rechts auf die Böschung aufgefahren, Kontrolle verloren, und links mit blockierten Reifen über die Böschung durchs Grün geschossen. Jemand hatte einen aufmerksamen Schutzengel...

 

Nachdem wir unser Camp zusammengeräumt haben, erscheinen wir etwas verspätet um 09:20 im einzigen Café von Shënmeri, wo wir uns gestern Abend noch verabredet hatten. Es kommt mir vor, als ob uns das halbe Dorf erwartet. Sehr wahrscheinlich ist auch genau das der Fall.

 

Zwei Runden Espresso, Macchiato und was man aus den Bohnen sonst noch alles machen kann, später verabschieden wir uns und treten unsere Reise nach Kukës an. Löschmittel-, Bonbon- und diverse Futterbestände neigen sich (schon wieder) dem Ende zu, ebenso die Devisenreserven nach der unerwartet teuren Fährenfahrt.

Kukës, eingebettet zwischen der weissen und schwarzen "Drin", ist mit 16'000 Einwohnern eine der wenigen grösseren Städte in der Region und daher unsere erste Wahl, bevor es auf Umwegen zurück in Richtung Küste gehen soll.

 

Wir erreichen Kukës gegen 11:30 nach einer weiteren aussichtsreichen Fahrt entlang der gestauten "Drin", finden schnell einen Supermarkt und stellen die Jeeps an den Strassenrand. 2 Mann bleiben zurück und gehen abwechslungsweise Devisen holen.

 

Als wir danach in einem kleinen Imbiss gegenüber auf einen Happen Köfte, und anderes lokales Fastfood einkehren, bemerken wir einmal mehr, wie günstig hier alles ist und wie wenig Geld die Leute zur Verfügung haben: Eine Portion mit Getränk kostet um die 200 Lek. Als ich die Runde (x6)  schmeissen will und mit einer 5000er Note (=40€), die der Automat ausgespuckt hat, bezahlen will, geht das nicht. In der ganzen Kasse befinden sich nach der Mittagszeit keine 3800 Lek... 

Einer unserer verbleibenden 10€ Scheine richtets dann.

 

Gut verköstigt machen wir uns danach auf in Richtung Peshkopia. Ein fixes Tagesziel haben wir für heute noch nicht. Ob Camping oder nicht ist egal, aber Wasser zum waschen wäre toll. In Peshkopia wollen wir lediglich Tanken und evt noch etwas Frisches Gemüse & Früchte einkaufen wenn sich was bietet.

 

Der Gruppenentscheid ist, nicht die Offroadpiste entlang der Drin und vorbei am gelben Ambulance Landy zu nehmen, und stattdessen heute Land zu gewinnen und ca. die Hälfte der Strecke bis zur Küste parallel über die umliegenden Hügel und Pässe zurückzulegen.

 

Unser Weg führt uns durch kleine Bergdörfer, durch Strassensperren der Kids an denen wir uns mit unserem frisch aufgefüllten Bonbon-Vorrat durchschmieren und an einem schönen Aussichtspunkt nach dem anderen vorbei.

 

Wir erreichen das Nordende Peshkopias gegen 15:00 und eine der ersten Hütten bietet uns auch schon diverse Früchte und Gemüse an. Die restliche Fahrt durch Peshkopia ist.... anders. Der passende humoristische Höhepunkt ist erreicht, als ein Hund vor den Forester rennt und in einer Seelenruhe auf die Strasse kackt :D Wir stellen den Fahrstil in diesem Chaos auf Route-Irish-Mode um und lassen Peshkopia inkl. seiner ebenso triste dreinblickenden Tankstellen bald hinter uns... UND werden dafür belohnt.

Einige wenige Kilometer nachher, erreichen wir eine brandneue, alleinstehende Tanke Meba96. Sie hat gerade kürzlich geöffnet, zumindest ist das die Begründung warum das Kartenzahlgerät nicht funktioniere. Ja eeeeeh, und Rauchen ist gesund! :D

Da wir aber nun etwas Lek haben, können wir mit dem Wechselkurs zumindest diesmal nicht übern Tresen gezogen werden. Die Tanks sind wieder voll, unsere Barschaften dafür schon wieder alle^^ :D

 

Nach den Erlebnissen von Gestern beschliessen wir erneut wild zu campen, für Unterhaltung scheint dann ja gesorgt... Um das Örtchen Klos herum sollten wir wieder zum Fluss hinunter kommen und werden dort nach einem geeigneten Plätzchen Ausschau zu halten.

 

Um 17:00 haben wir einige Pässe, Panoramen und Bergbaugebiete hinter uns gelassen, die Brücke über den Fluss überquert und fahren den Hügel oberhalb Klos hoch. Bald sollte ein kleiner Trail beginnen und uns ins nächste Tal ab vom Schuss an den selben Fluss hinunter bringen. Zumindest aufm Navi sieht es so einfach aus. Ein mögliches Nachtlager ist bereits entdeckt, ein altes Fort. Jedoch beschliessen wir noch weiter zu fahren, in der Hoffnung noch was mit ner Wasserquelle zu finden.

 

Der Schottertrail windet sich über enge Kehren tatsächlich ermutigend Präzise auf den Fluss am Talboden zu. Eine geführte 4x4 Tour vor uns, bekräftigt uns in unsere Entscheidung... um sie kurz darauf mit dem Vorschlaghammer zu zerbröseln. 

 

Die sind allen Ernstes nach hier unten gefahren, um dann in einer Sackgasse ca einen halben Kilometer vom nicht per Fahrzeug erreichbaren Fluss zu enden und den ganzen Campinkrempel da hin zu tragen und das Dachzelt zurückzulassen. Ne, danke, ohne uns, Trekking gibt's auch Zuhause. 

 

Wir schaffen es irgendwie die Fahrzeuge zu wenden und schalten auf Weichbirnenmodus: Während Pitsch und ich mehr oder weniger eine Beleifussrallye auf den Kamm des Hügels zurück veranstalten, Beschliesst Simon auf dem Dachträger des Forsters seine Gesässmuskeln zu stählen und darauf hoch zu reiten. Dave behauptet heute noch, Pitsch und ich hätten dabei seine auf der Abfahrt entdeckte Schildkröte überfahren. Nur weil sie auf dem nach obenweg nicht mehr zu sehen war.... Ja ne is klar, äindöudige Bewäislaage hiää :D

 

Oben campieren wir bei den Überresten des vorher passierten Forts und erkunden noch etwas die Umgebung, da es noch weitere Ruinen etwas oberhalb hat. Es handelt sich dabei um zerbröselte Bunker, das teils-zerfallene Fort war wohl die Mannschaftsunterkunft. Während der Erkundung funktioniert unsere Drohne quasi als Bier-Luftbrücke :D

 

Zum Abendessen gibts gebratene Würste und eine Art gemischster Salat. Einfach, lecker und mangels french dressing schon fast grenzwertig gesund :O)

Geduscht wird mittels Simons 12V Dusche und unseren beinahe letzten Wasserreserven, was wir Hirnis aber erst nachher realisieren :)

 

 

 

Tag 12 &13, Donnerstag/Freitag 20./21.07.2017

POI: Klos - Camping Tirana 75 KM

 

Die Sonne brennt schon ein Weilchen vor 08:00 auf uns herab, mit Ausschlafen wird nichts, aber daran haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Die Mücken waren erbarmungslos in der Nacht: Da wir wieder nur auf dem Boden geschlafen haben, sind wir nun total verstochen. Die Stechbiester sitzen noch immer auf den Dachträgern und singen Sauflieder, als wir aufbrechen... Wohl bekomms.

 

Heute gerne wiedermal Piste. Wir haben gestern Abend beim Navigationscheck bemerkt, dass wir unabsichtlich quasi direkt vor der Einfahrt einer Schotterpiste genächtigt haben, die uns durch eine praktisch unbesiedelte Bergregion, über eine Brücke und entlang eines ausgetrockneten Flusslaufs so ziemlich bis ans nordöstliche Aussenquartier Tiranas heranbringt. Alles Piste, tönt schonmal grossartig!

 

Der Einstieg präsentiert sich eher erdig, aufgrund von 90 Tagen ohne Regen aber nicht weiter problematisch. Wir gewinnen schnell an Höhe und die Staubwolke versiegt bald wieder. Entweder sind das hier Bergbäche, die uns entgegen kommen, oder dann Bewässerungsanlagen die alles, aber nicht die Felder bewässern...

 

Die Piste ist beim ersten Abzweiger etwa vom Kaliber Theth, jedoch wegen der Fehlgeleiteten Bewässerung zugematscht und ausgehobelt. Immerhin geht's bergauf. Das erste Fahrzeug meldet bald Besserung. Der Zustand der Piste sollte sich zwar den ganzen Tag hindurch nur selten verbessern, aber das Aquaplantsching und die am Fahrzeug entlangschleifenden Äste sind wir los. Zwischenzeitlich lassen wir die Baumgrenze unter uns und wie es scheint, auch die elektronische Navigationsunterstützung von OSMand auf meinem Wranglertablet. Erst als ich uns als Fussgänger ausgebe, fängt es langsam wieder an zu kooperieren. Ansonsten entscheiden wir uns an den Abzweigern jeweils einfach grob der angepeilten Himmelsrichtung entsprechend.

 

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Faktor hier draussen, sind die Locals und ihre "Bauwerke", nicht nur die alten Einmann-Bunker welchen man am Wegrand begegnet.

Gerade weil wir auf der ganzen Strecke nur eine handvoll Siedlungen, oder sollte ich sagen Ansammlungen von 3-6 kleinen Gebäuden, antreffen, haben die Anwohner hier scheinbar Narren- und Baufreiheit. Denn hier draussen kommt weder ein Postbote, noch sonstwer ohne beträchtlichen Zeitaufwand und 4x4 vorbei. Die Menschen scheinen sich selbst überlassen zu sein.

So kann es sein, dass wenn eine Strasse abrutscht, einfach eine Offroadpiste grad den Hügel runter auf die nächste Strasse untendran mittels 100-maligem Befahren erstellt wird. Die Regierung in Tirana wird sicher keine Baumaschinen schicken... Hier sagen wir danke und ab dafür :)

 

Unser 2. Erlebniss dieser Art war eine Hartgummi Wasserleitung, die einfach quer in die Strasse hängt, dass nicht mal ein Smart drunter durchgepasst hätte. Gespiesen wird diese Simple Anlage von Lehmbecken die die Bauern überall in den Hang hineingraben um ihre Tomaten-Marihuana-Plantagen auch in den trockenen Monaten mit Regenwasser zu bewässern.

 

In der zugehörigen Siedlung weiter den Berg runter ist ein Hausbesitzer gerade am Renovieren: Es ist meterhoch Zement, Bauschutt und Altmetall auf der Strasse aufgeschichtet, kein Vorbeikommen. Eine Begehung des Dörfchens fördert keine befahrbare Alternative zu Tage. Wir setzen in der Folge zurück und wenden an einer Abzweigung, die sich bereits vorher als Ente entpuppt hat. Gibt's halt.

 

Also geht's den ganzen steilen Hügel wieder hoch, bei der Siedlung zuoberst gibt's noch einen Abzweiger auf eine Alternativroute die uns ebenfalls ins angepeilte Flusstal, welches wir in der Entfernung schon sehen, herunterbringt... bringen sollte :)

Nach ein paar wenigen Kilometern den Hang herunter ist schon wieder fertig, die ersten Verspannung und Gesichtsentgleisungen stellen sich ein :D

 

In der Kurve, wo eigentlich ein Rechtsabzweiger aus der Tomaten-Marihuana-Oase raus sein sollte, finden wir lediglich eine Meterhohe Betonleitplanke vor, die offensichtlich Schubkarre für Schubkarre mit System Wildwuchs angelegt wurde.

Wir setzen zurück ins Dorf. Die zweite Ausfahrt oberhalb ist mit einem halb ausgehobenen Wurzelstrunk versperrt, welcher zwar abgesägt aber dann über die Strasse gelegt wurde.

 

Langsam verliert die Geschichte an Witz. Karten und Elektronavis bieten keine Alternative. Wir haben Sägen, Schaufeln, Bergegurte, Recoveryboards und einen riesen Haufen dummer Ideen und Improvisationstalent im Gepäck. Entweder wir finden eine Lösung mit den Bewohnern, oder bauen unsere eigene Strasse: Entweder der Wurzelstrung wird beiseite gezerrt oder eine Rampe über die Betonleitplanke zurecht geschaufelt und mittels Maxtrax-Recoveryboards befestigt um auf die dahinterliegende, sichtbare Piste durchzubrechen.

 

Ein Vater mit Sohn gibt uns zu verstehen, dass sie selbst einen Weg, der auf den Karten nur bis zwischen die Plantagen eingezeichnet ist, weitergeführt und auf der Gegenüberliegenden Seite in den Hang geschlagen haben. Leuchtet ein, die Mafia hat wohl auch keinen Bock das ganze Gras wieder den Hügel hoch und auf mühsamen Umwegen nach Tirana und die Küste zu karren...

 

Der Weg ist sichtlich Marke Eigenbau und am Schluss hilft ein beherzter tritt aufs Gaspedal, aber wir schaffen's nach nunmehr 2 Stunden Try-and-Error um 14:00 auf die eigentliche Route zurück.

 

Hier wird erstmal eine "Kaffee & Chrööm"-Pause eingeschoben um die Anspannung verfliegen zu lassen.

 

Je tiefer wir ins Tal kommen, desto öfters bekommen wir es wieder mit Gegenverkehr zu tun. Während der verbleibenden 30 Minuten Fahrt nach unten zum Flussbett treffen wir vorwiegend wieder auf Benz-Busse. 

 

Am Fluss angekommen, suchen wir dessen Lauf vergeblich nach Wasser ab. Es Scheint alle zu sein. Da sich aber grad keine schlaue Einfahrt bietet, fahren wir über die simple Brücke aus Beton und Holz um danach auf der anderen Seite dem Flussverlauf zu folgen.

 

Die Route mündet kurz vor Tirana in einer breiten Piste, welche durch ein Bergbaugebiet führt. Der Staub hat wieder Güteklasse Kalkpulver und zu allem haben wir wieder nen LKW vornedran der mit knapp 40 vor sich hin schleicht... ne noch 5km diesen Staub schlucken bis Tirana hab ich eigentlich nicht so Bock drauf: Sobald ich die langezogene Kurve vom Arsch-Ende des Konvois her einsehen kann ist Stempel runter und bye-bye-Baby angesagt.

Die ersten Häuser von Tirana erreichen wir gegen 15:30. Wir haben zwar bereits einen Camping, oder sollte ich sagen den einzigen auffindbaren Camping, auf der anderen Seite der Albanischen Hauptstadt als Tagesziel angepeilt, doch zuerst brauchen wir Nachschub, da so ziemlich alles aus ist.
Ein paar hundert Meter nach dem ersten Haus, decken wir uns bei einem Stand in einer Garage am Strassenrand wieder mit frischem Gemüste und Obst ein. Während die Anderen das erledigen, suche ich im OSMand schon mal einen Spar und eine nahegelegene Parkmöglichkeit raus. Nach der Schnitzeljagd in Shkodra habe sogar ich was dazugelernt.

 

Tirana ist busy, very busy. Die einzige wirkliche Verkehrsregel die es zu beachten gilt lautet "Wer später bremst, fährt länger schnell". So lässt es sich nicht vermeiden, dass mal ein paar Autos in den Konvoi drängen. Verlieren tun wir uns jedoch nicht. Wir finden den Parkplatz am Rande eines Kreisels auf Anhieb. Die Hälfte bleibt bei den Jeeps, der Rest macht sich zum Spar auf. Wir kaufen "Einmal das Übliche" und sind bald zurück. Danach geht das Wirr-Warr aus der Stadt raus weiter, über eine Stunde um genau zu sein.

 

Camping Tirana liegt zum Glück einiges ausserhalb an einem See, "eine Oase der Ruhe vor den Toren Tirana's" triffts spot-on.

Den kleinen Camping am "Liqeni i Kusit", oder einfach Kus-See, erreicht man via die Schlaglochpisten der Aussenquartiere und schliesslich nochmals ein, zwei Kilometer Schotter.

 

Er ist nicht sonderlich ausgebucht, 2 Wohnmobile und ein Campingwagen-Zug, perfekt. Später gesellen sich noch Norbert und seine Frau, ein Ehepaar im Unruhestand aus Deutschland im Defender 110 ihres Sohnes dazu.

Der Camp-Besitzer Baskim ist gerade dabei den Rasen durch seine Minions bewässern zu lassen (his words, not mine). Dass dies in Verbindung mit unseren AT und MT Reifen beim hin und her maneuvrieren nicht soooo gut kommt, wenn man nicht wie auf Nadeln fährt, realisieren wir erst etwas spät... Bashkim spricht nebst seiner Muttersprache noch etwas Englisch und perfekt Französisch.

Er hat uns trotz des angegrabenen Rasens bereits ins Herz geschlossen, schliesslich fährt er selbst nen Defender 110 und organisiert nebenbei noch Landrover-Touren. So gibt's anstatt einen Anschiss das Versprechen, dass er später noch mit Raki aus Eigenproduktion vorbeikommt.

 

 "Ich mache jedes Jahr 400 Liter: 200 zum Verkauf an die Campinggäste, 200 für mich und meine Frau." :D :D :D ich muss jetz beim Schreiben schon erneut losgröhlen, im Juli hatte ich fast Bauchweh bis ich mich ab dieser Aussage wieder eingekriegt hatte :D :D

 

 

Wir beschliessen hier 2 Nächte zu bleiben und danach für die letzte Nacht an die Küste unterhalb der Hafenstadt Durrës zu fahren. Von dort aus wollen wir wir während 20h nach Ancona (IT) übersetzen um die Fahrstrecke des Heimwegs zu ~halbieren.

 

Totale Entspannung. Wir verbringen die Tage auf dem gemütlichen Chicken-Camping mit Faulenzen, Fischen, Musik hören, Baden im See, Shisha-Dampfen, Bashkims Kids in der Hängematte beim schaukeln anschieben und dem Spielen einer neuen UNO-Form: "Immortan-UNO". Ich hatte ganz vergessen, dass ich noch essbaren Chromspray mitgeschleppt habe.

 

Wer also ab jetzt eine Runde verliert, muss nicht nur von Bashkims selbstgebranntem Blindmacher und dem hässlichen Rum den wir irgendwo aufgegabelt haben kosten, sondern wird auch noch "verchromt". 

 

"Verlier eine Runde UNO, und ich werde dich persönlich zu den Toren Valhallas tragen. Dort wirst du für alle Ewigkeit weiterfahren, in Glanz und Chrooom!" :D ...oder wie auch immer das Zitat auf Deutsch heissen mag...

 

 

 

 

 

TAG 14, Samstag 23.07.2017

POI: Tirana - Durrës - Camping "Pa Emer" - 63km

 

Wir verabschieden uns von Bashkim und seiner Familie und machen uns auf nach Durrës, um zu sehen, wo da der Hafen ist. Zwischenhalt machen wir noch in Tiranas Citypark Shoppingmall. Für Shopping sind wir eigentlich nicht nach Albanien gekommen, aber nun haben wir gerade mal Zeit und Gelegenheit.

Mit wenigen Ausnahmen hat diese jedoch nicht wirklich was interessantes für die Zuhausegebliebenen zu bieten. Die Locals scheinen das ähnlich zu sehen, denn der Super-Komplex ist so gut wie verlassen.

Als wir einige Stunden später um die Erkenntniss reicher sind, dass man den Hafen in Durrës und das Fährenterminal nicht verfehlen kann, halten wir sogleich weiter südwärts ans Meer.

 

Ausserhalb der Ortschaft Karpen haben wir den Camping Pa Emer angepeilt. Die Zikaden singen schon das Begrüssungslied als wir eingewiesen werden. Es sollte wie so oft bis zu unserer Abreise andauern.

Der Camping verfügt über einen laaaangen Steg auf eine kleine Insel vor der Küste wo man sich verköstigen und rehydrieren kann. Die Strandbar auf der Insel ist gerade neu und nur sporadisch besucht. Die restlichen Gäste vertun sich hinten am Strand unter den Schirmen oder beim Banana-Boot fahren. So stört es niemand, dass wir im Anlegedock der Bar unter anderem eine fast einstündige Schlammschlacht veranstalten und auch sonst "ganz uns selbst sind" :) PURA VIDA!

 

Der Sonnenuntergang untermalt das Ganze in einer Farbenpracht, wie wir sie seit Shkodra nicht mehr erlebt haben. Das Nachtessen in einer Lokalen Seafoodkneipe lasse ich an der Stelle bewusst weg, der ganze Raki der uns da vom Besitzer eingeflösst wurde, diente wohl der nachträglichen Desinfizierung des Seafoods... schade, zumindest schmeckte das Gemüse gut..

 

 

Tag 15: Sonntag 24.07.2017

POI: Fährhafen Durrës, if only we knew better...

 

Noch immer von der Mückenplage der vorangegangenen 3 Nächte traumatisiert, hatte ich die letzte Nacht zum ersten mal im Zelt verbracht. Ein Wunder dass kein Schweiss-Zunami ausgelöst wird als ich den Reissverschluss des Exped Venus-II öffne.

 

Mein erster Gang ist somit zur Dusche, das hilft. Wir beschliessen danach zurück nach Durrës zu fahren um dort nochmal etwas Devisen zu besorgen und zu sehen, ob wir evt doch noch was für die daheimgebliebenen finden.

 

Wirklich fündig werden wir nicht, dafür aber in den Restos und Cafés, welche die Hafenstrasse säumen, super verköstigt.

 

 

Um 15:00 finden wir uns in der glänzenden Check-in Halle des Fährhafens Durrës ein. Man bittet uns in einer Stunde nochmals zu kommen, entgegen der Reservation ist der Check-in erst ab dann offen. 

Nun gut, bei UNO verfliegt die Zeit, auch ohne Chrom und Fusel.

 

 Um 16:00 erwartet uns die erste Überraschung. Das Ticket für die Geröllheimer-Crew findet sich nicht im System. Auf der Kreditkartenabrechnung aber schon. Uns bleibt nix anderes als eine neue Überfahrtskarte zu lösen und zu bezahlen.

 

18:30: Eigentlich müsste es dann bald mal "Leinen looooos" heissen. Wir sind jedoch gerademal durch die Passkontrolle durch und da kommen noch immer Autos aus der Fähre. Egal, solange das Ding heute noch fährt und wir an Bord sind.

 

Genau das sollte jedoch nicht passieren: Die Fahrzeuge die uns entgegenkommen, sind die ehemalige Spitze der Warteschlange. Die Fähre habe einen technischen Defekt und könne so nicht starten. Wir nehmen die Nachricht schon fast abwesend auf. Nachdem wir über 2 Quellen die Aussage verifiziert haben, dass für die Reparatur und fehlender Teile mind. 10 Stunden benötigt würden und es am Ende wohl auf "maybe better luck tomorrow" hinausläuft, machen wir kurzerhand Rechtsumkehrt bevor es dem Rest der Schlange ebenfalls dämmert was abgeht.

 

 

Es ist jetzt Sonntag Abend. Die Meisten von uns müssen am Dienstag Morgen wieder auf der Arbeit antraben. Wäre die Verbindung wie geplant gefahren, wären wir Montag Nachmittag in Ancona (IT) und gegen Mitternacht Zuhause angekommen. Selbst wenn sie den Kahn in nur 5h wieder zum laufen bringen, wären wir trotzdem schon zu spät.

Wir wollten nicht schon mit der Freitagsfähre retour um unsere Ferien nicht noch weiter zu verkürzen, desshalb haben wir so knapp geplant. Aber der Mist ist jetzt schon geführt und die Optionen sind uns mal wieder ausgegangen.

Der Ausweg, um es rechtzeitig die 1700km nach Hause zu schaffen, ist simpel

 

4-5 mal tanken.

 

Gerade noch vor der goldenen Horde erreichen wir die Schalterhalle. Das Personal weis offensichtlich schon was los ist und wirkt dementsprechend gefasst. Wir, und der Fackelmob hinter uns wollen entweder andere Tix oder unser Geld zurück.
Was wir auch ohne Probleme kriegen, sobald sie jemand losgeschickt haben um Bargeld zu  beschaffen, solche Beträge werden nicht am Schalter aufbewahrt.

 

Es ist 20:00 als wir uns beim freundlichen Schalterpersonal bedanken und mit etwas über 800€ Spritgeld in der Tasche den Stadtrand von Durrës anpeilen. An einer Tanke kaufen wir einen Familienvorrat Energy-Drinks, im wissen, dass wir eine ziemliche Kalberei vor uns haben... 

Unsere Heimreise führt uns via Hani i Hotit wieder aus Albanien raus, einmal quer durch Montenegro und Bosnien bis wir schliesslich in der Morgendämmerung kurz vor Kroatien auf die erste Autobahn auffahren können.

 

 

 

Tag 16: Montag 26.07.2017

POI: Einfach nur noch irgendwie nach Hause - Noch zu viele KM :D

 

Die Montenegrinisch-Bosnische Grenze morgens um 03:00 oder so war der Hammer im Doppelpack: Die Montenegriner waren in Ihrem Zollhäuschen irgendwo im Nirgendwo am Pennen und kamen erst nach 5 Minuten mit den Dienstgürtel über die Schulter geschlungen angeschlendert. Den bosnischen Kollegen ein paar hundert Meter weiter hat man dafür schon gerochen, noch bevor er aus dem Häuschen gewankt kam... Wie eine Brauerei... und auch die restlichen Klischées lückenlos erfüllt :D :D

 

Er nahm zwar die Dokumente von jedem Fahrzeug einzeln und lief damit zurück ins Häuschen, da machte er aber 4x nix anderes als 5 Minuten lang an die Wand zu lehnen und eine zu qualmen. Dann wollte er bei jedem Auto noch in den hoffnungslos überstellten Kofferraum blicken um in jedem Fall festzustellen dass er doch keine Lust hat in den Unweiten der Schubladensysteme & Taschen zu wühlen. Einen um den anderen liess er uns dann ziehen. Zuviel :D :D

 

05:30: Die Kroaten nehmen es hingegen sehr genau, als wir kurz nach Prnjavor an die Autobahngrenze kommen: Sie suchen gezielt nach Medikamenten, wir dürfen das bisschen Aspirin und Ibuprofen etc was wir mit haben jedoch behalten.

Unser eigener medizinischer Zustand: Hoffnungslos übermüdet.

Die Überlandfahrt durch Bosnien auf oftmals schlecht instandgehaltenen, unbeleuchteten und engen "Bundesstrassen" war sehr kräftezehrend. Die einzige Beleuchtung ausserorts kam oftmals von den Waldbränden in der Ferne. Zumindest haben die Anderen diese auch gesehen. Vielleicht haben aber auch einfach alle 6 halluziniert...

 

Wir beschliessen zwischen 05:30 und 06:00 einen Powernap auf einer grossen Raststätte zu machen, bevor wir nicht mehr alleine auf der Autobahn sind und es gefährlich wird.

 

Der Powernap und das anschliessende, wirklich tolle, Raststättenfrühstück kaufen uns eine weitere Stunde Fahrzeit. Danach ist wieder Schluss und wir müssen uns eingestehen, dass wir es in diesem Zustand die verbleibenden 950km nicht unfallfrei nach Hause schaffen werden. Wir haben noch nicht einmal die Hälfte, sind selbst aber am Ende.

 

 

Nach weiteren 2h Schlaf auf der nächsten Raststätte sieht's dann doch besser aus und wir fahren von da aus, bis auf Spritpausen, problemlos durch. An der Slowenischen Grenze hat's ne Deziliarde Lastwagen und entsprechend Stau. In Italien geraten wir in ein spektakulär anzusehendes Unwetter, dass sich resp. uns gewaschen hat, ansonsten aber keine weiteren Probleme.

 

 

Um 23:00 setzen wir die letzten Überreste der 800€ Fähren-Sprit-Geld am Gotthard Südportal in Treibstoff um und verabschieden uns voneinander um danach auf der Nordseite unsere jeweiligen Zuhause anzusteuern.

 

 

 

Eine eindrückliche Reise, interessante Länder & Menschen, überwältigend schöne und ursprüngliche Natur und das alles an der Seite solch toller Freunde...

 

Schön, all das zusammen erlebt haben zu dürfen!

Etwa so, kurz und knapp, fällt unsere Verabschiedung aus.

 

"...es war ein Abenteuer..."

 

 

 

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