2017-07 Balkan-Tour: Teil II (MNE-AL)

Weiter geht's vom Durmitor Nationalpark durch das montenegrinische Hochland nach Osten. Anschliessend vom Biogradska Gora Nationalpark aus gen Süden nach Podgoriza um unseren sechsten Mann am Flughafen abzuholen und schliesslich, 7 Tage und 1750km seit Reisebeginn, überqueren wir die Grenze nach Albanien.

Willkommen zu Teil 2 von 3

Tag 4, Mittwoch 12.07.2017:

POI: Durmitor National Park - Montenegro - 25km

Ein Glück: Keiner wurde von "wilden Bestien" gefressen oder von Partisanen entführt. Nachdem wir in 3 Tagen an die 1700km und einiges an Höhenmetern abgespult haben, wollen wir's heute etwas gemütlicher nehmen.

Als die Sonne uns langsam wieder einzuheizen beginnt, stehen wir irgendwann zwischen 08:00 und 09:00 auf und Frühstücken in aller Ruhe. Das feine Brot aus Dubrovnik schwindet zu Honig und Nutella schnell, der Kaffee tut das Übrige um die Lebensgeister zu wecken.

Da wir heute nicht besonders weit haben, nehmen wir uns noch die Zeit für einen Deutsch-Englisch-Schwatz mit ein paar Locals auf Mountainbikes, die das Durmitormassiv heute bereits überquert haben. Nachdem wir uns eine gute Reise gewünscht haben, brechen wir auf. Zuvor wurde jedoch noch der Thermostat der Geröllheimers ausgebaut. Besser is das!

Zu Beginn winden wir uns über enge Serpentinen steil den Hang hoch. Leider noch alles geteert. Der Geröllheimer-Kühler hält vorerst, da wir noch auf der Schattenseite sind und sich die Temperaturen noch in Grenzen halten. Der einzige Schotter den wir jedoch sehen, sind zahlreiche kleine Bergstürze, welche über die Strasse niedergingen. Ansonsten ist bis oben alles, teils gerade frisch, geteert. Schade aber das tut der Aussicht keinen Abbruch. Auf der obersten Bergspitze ist eine Art Sendestation mit grossen Antennen, die unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dies nicht zuletzt wegen der geröllhaltigen Auffahrt. Ein Schild, welches eine teilweise Buckshot-Vergiftung erlitten hat, untersagt jedoch jegliche Annäherung an die Station.

Es geht nach einer kurzen Verschnauf- und Kühlerpause also weiter durch das Bergpanorama des Nationalparks und bald schon wieder abwärts.

Keine Stunde seit Aufbruch, sind wir auf der anderen Seite schon wieder am Fuss des Parks angelangt. Ein Bisschen wie das Buch "Grosse Erwartungen": Ich hatte mir etwas mehr davon erhofft... :D

Mit Offroad/Schotterei war noch nicht viel und der für heute angepeilte See resp. Camping ist nur noch wenige Kilometer entfernt. Ne, läuft bei mir nicht. Ich gebe mich im OSMand Navi kurzerhand als Fussgänger aus um auch die kleinsten Wege konstant auf der Grobübersicht eingeblendet zu haben und siehe da, hier unten geht tatsächlich noch was!

Nach einer kurzen Schotterpassage durch Nadelwald, geht kaum zu erkennen rechts eine Fahrspur über ein Feld zum Fuss eines Hügels mit Skilift weg. Ich bin schon fast dran vorbei als ich ihn erkenne und reisse das Steuer im letzten Moment herum. Nach ein paar ungläubigen Lachern über den Funk, folgt der Rest schliesslich übers offene Feld als sie realisieren, dass da ja wirklich eine kaum auszumachende Spur ist und was ich im Schilde führe.

Am Fuss des Hügels sehe ich, dass der Weg tatsächlich wie auf der Karte sugeriert unter dem Skilift hoch verläuft. Der Rest wartet vorerst mal, falls es mir nicht durch den Dreck nach oben reichen sollte. Tut es aber: In der Untersetzung und mit genügend Schub, beisst sich der beladene Wrangler anstandslos den Hügel hoch.

Ich steige oben aus, um die Heldentaten des Rests auf Film festzuhalten. Ich höre jetzt noch das satanische Gelächter der Geröllheimers, als sie im dumpfgrollenden 4.0litre an mir vorbei den Hügel hochschiessen... Ein Bild für die Götter.

Oben müssen wir erstmal einen kurzen Waldtrail von ein paar steinigen Hindernissen befreien, bevor es da und durch einen Bauernhof^^ zurück auf die Verbindungsstrasse gehen soll.

Von hier aus führt uns ein letzter enger Wald-Feld-und-Wiesen-Trail direkt zum Camp "Ivan Do". Wir lassen dieses zuerst mal noch links liegen, wollten wir doch zum "Crno Jezero", dem schwarzen See hinunter.

Was das Navi und auch Googlemaps nicht wissen: Da gibts ne Schranke und um die letzten paar hundert Meter zum See laufen zu dürfen, kannst erstmal noch den gegenwert von 5 Euro abdrücken. Daran wärs nicht geschweitert, die Menschenmenge hat dem Unterfangen schlussendlich den Todesstoss versetzt. Natur, egal wie schön, gekoppelt mit in Bussen herangekarrten Menschenmassen sind nicht so das Unsere.

Wir ziehen uns daher zurück auf den vorher passierten Camping. Die Rezeption ist ein Laptop inmitten des Wohnzimmers der Familie wie es scheint. Simon fragt, ob es noch eine Möglichkeit gäbe um fliessend Wasser bis zum Kühler des Geröllheimers zu leiten. Obwohl keiner des anderen Sprache zu verstehen scheint, wird das Problem mit dem Kühler irgendwie vom Familienoberhaupt verstanden und aus dem Hof nebenan ein paar Schläuche organisiert. Vom Sanitärkomplex her werden diese zur Abstellwiese hochgeführt. Wir staunen einmal mehr darüber wie unkompliziert und hilfsbereit die Menschen hier sind.

Schon mal hierzulande auf nem Campingplatz begonnen die Motorhaube zu öffnen, Schläuche abzuhängen und den verhockten Kühlapparat grosszügig durchzuspühlen, ohne dass irgendeine selbsternannte Prinzessin auf der grünen Erbse "Apokalypse Now!!!" zu schreien beginnt?

Der Nachmittag vergeht zu Brombeeren-Cider und dessen Verwandten, mal melodischer, mal rockiger Musikkulisse und UNO wie im Flug. Simon spült seinen Kühler abermals, Dave demontiert und kürzt seinen scheppernden Auspuff und der Rest bereitet sich auf den Folgetag vor oder geiert in der Weltgeschichte rum und geniesst die Aussicht auf das imposante Durmitor-Massiv.

Und prompt kommt es wieder dazu: Uns geht noch vor Sonnenuntergang das nicht-brennbare Löschmittel aus, bei den Locals herrscht ebenfalls Dürre und mit Jeep fahren ist nichts mehr. Die Rettung naht relativ unerwartet: Als ein Taxi ein paar Camper auslädt, springt Simon spontan auf dessen Beifahrersitz. 40 MInuten später hat der Fahrer ihn in das ein paar Kilometer entfernte Zabljak zum Supermarkt und mit Nachschub wieder zurück gebracht.

Zum Abendessen gibt es Chili-Johnny (Chili-Con-Carne-Konserven aus Miliz-Beständen) und Rösti. Die Kocherei bescheert uns eine neue beste Freundin. Die Hündin der Familie, oder wem auch immer sie gehören mag. Sie ist auf jeden Fall SEHR zutraulich und nagelt einen um den anderen in der Runde fest. Der Rest des Abends vergeht mit UNO, Streicheldienst und dem Rest der Wassermelone, welche mit dem Raki vom Strassenrand versetzt wurde... Den Abwasch kriegen wir gerade noch gebacken, dann geht's in die Federn.

Morgen solls bei Zeiten losgehen, denn die Gefahr ist gross, dass wir eines der Highlights unserer Reise erleben werden :

Die Durchquerung Montenegros von West nach Ost durch ein fabelhaftes, menschenleeres Hochland wo sich der Weg zeitweise sogar verlieren soll.

Zumindest so stelle ich es mir vor, seit ich den Bericht über dessen Durchquerung in einem V8 Sportsvan in der Reisesektion vom Offroad-Forum.de vor ziemlich genau einem Jahr gelesen hatte.

Als das Thema Allrad-Ferien kurz darauf das erste Mal aufkam, hatte ich die möglichen Routen bereits ausbaldowert und war so fasziniert von diesem Ort, dass ich Verhandlungen über das "Wohin" gar nicht mehr wirklich zuliess. Der Rest der zwei-wöchigen Reise, wurde quasi drum herum gezimmert.

Vamos a ver....

Tag 5, Donnerstag 13.07.2017

POI: Montenegrinisches Hochland zwischen Zabljak und Kolasin - Montenegro - 95km

07:30: Der lang herbeigesehnte Tag bricht an. Die Nacht auf ~1500m war erneut kühl, dafür aber sehr erholsam. Wir verschwenden nicht viel Zeit mit Frühstücken. Nach einem schnellen Kaffee bezahlen wir die Familie, geben noch ein kleines Trinkgeld für den unkomplizierten Kühlerspühlservice und machen uns auf den Weg nach Zabljak.

Im kleinen Supermarkt mit Metzgerei in der Mitte des Dorfes herrscht reger Betrieb. Wir füllen unsere Futter und Flüssigkeitsbestände wieder auf, bevor wir uns nochmals einen Cup'a Joe im Café über die Strasse genehmigen. Auf der anderen Seite des Supermarktes machen wir eine kleine Bäckerei aus und die Sandwiches darin sehen wirklich köstlich aus. Das Frühstück wäre somit auch ausgiebig nachgeholt, wir würden es brauchen.

Danach verlassen wir Zabljak in südlicher Richtung via die Überlandstrasse. Mein obligater erster Verfranser des Tages beschert uns eine kleine, unnötige und sprichwörtliche Querfeldein-Fahrt, welches uns an einem kleinen Hof vorbei und wieder auf die richtige Strasse bringt.

Das Wetter ist abwechselnd bewölkt und überraschend mild. So kühl war's seit der Schweizer Grenze nicht mehr.

Verkehr sehen wir ebenfalls nicht viel. 3 von 5 Autos scheinen hier im Hochland alte VW Golf zu sein, dazu der ein oder andere Fernostpickup. Ein Bauer jagt im letzten Moment noch mit seinem Stock die Kühe von der Strasse aber ansonsten schaffen wir's ohne weitere Vorkommnisse zum angepeiletn Einstieg unserer Tagesroute..

Wir fahren über die kleine Brücke und halten erst mal an. Bei Daves linkem Vorderrad am "Forester" quietschts. Stein im Bremssattel, Radlager trocken oder whatevz? Wir nehmen uns die Zeit bevor's auf wenig bis garnicht befestigte Wege gehen soll, um kurz den Reifen herunter zu nehmen und uns die Sache anzuschauen. Nichts Offensichtliches. Wir öffnen schlussamendes noch den Bremssattel und finden einen kleinen Stein darin. Dieser kann nicht der alleinige Verursacher gewesen sein, denn auf der Weiterfahrt quietscht es immer noch sporadisch, wenn auch nicht mehr so intensiv.

Kurz nachdem wir auf Schotter treffen und in der ersten Pfütze den Anstrich der Allradler gleich mal "rundum-erneuert" haben, legen wir einen zweiten Stopp ein, um den Reifendruck gegen die 2 Bar runter zu senken und die weiterfahrt nochmals etwas angenehmer zu machen. Auch ist das Wetter gerade schwierig einzuschätzen. Sonnen- und dunkle Wolkenfelder wechseln sich ab und es könnte jederzeit in beide Richtungen schwenken.

Die Route ist ein absoluter Traum! Zu Beginn noch sauber geschottert, schlängelt sich der Weg zwischen sanften Hügeln hindurch, welche sich in sattem Grün präsentieren und führt uns über zahlreiche Anhöhen in immer wieder neue Geländekammern, so das man nie allzu weit voraus sehen kann.

Anfangs noch Stückweise bewaldet, lassen wir bald die Baumgrenze, den perfekten Schotterweg als auch die Zivilisation vollständig hinter uns.

Immer häufiger verläuft der Weg nur noch direkt über scheinbar unendliche Wiesen, mal mehr mal weniger ausgefahren, mal mehr mal kaum noch erkennbar. Wir treffen einen Schäfer mit seiner Herde, sehen noch ein zwei einsame Gehöfte mit Herdenhunden so gross wie Kälber und leider noch mitten in der Pampa angebundene, ausgehungerte Pferde. Sonst ist hier schlichtweg nichts und niemand. Nächstes Mal Karotten mitnehmen.

Und so geht das den ganzen Tag, während der Fahrkomfort Stück für Stück flöten geht.

Um die Mittagszeit herum schieben wir eine kurze Kaffee&Kekse-Pause ein, ansonsten fahren wir grösstenteils durch.

Irgendwann versiegt die Spur für kurze Zeit vollends. Auf dem Weg zum Wiedereinstieg fahren wir an einer kleinen Siedlung vorbei, aus welcher sogleich ein paar Kids anzurennen kommen. Wir verlangsamen und kommen schliesslich ganz zum Stehen: "Cioccolatiii ! Cioccolatiiii !".

Die 5 Schweizer haben jedoch keine Schokolade mit, Asche auf unsere Häupter. Dafür sonst noch etwas an Schleckereien, welche wir gleichmässig verteilen. Die Kids freuen sich riesig. Die Karmawage ist wieder etwas ausgeglichen, zumindest bis zum nächsten Besuch der Kleinen beim Dorfzahnarzt. Müssen fürs nächste Mal unbedingt kleine Malstift-Sets oder sowas mitnehmen, das wäre wohl sinnvoller. Trotzdem war's ein toller Moment, Balsam für die Seele, und sollte nicht der letzte dieser Art bleiben.

Hinter der Ortschaft sehen wir aus der Senke heraus die Crkva Sv. Vasilija Ostroško (Kirche von St. Basil von Ostrogg) auf dem Hügel trohnen, gläubig oder nicht, eine schöne Szene anzusehen.

Kurze Zeit später geht erstmal garnix mehr: Auf der Piste hat sichs eine Herde schäferloser Schafe gemütlich gemacht und es scheint ihr da recht gut zu gefallen. Die Tiere mit Gehupe zu stressen ist nicht so meins. Ich probiere stattdessen über die Wiese links oberhalb zu fahren. Die vereinzelten Felsfragmente darauf sind nicht sonderlich gross und das Unternehmen gelingt zum Vorteil aller Beteiligten :)

Wir lassen das Weideland mittels passieren eines Tors hinter uns und nehmen bald die letzten Kilometer der Route zurück in die Zivilisation unter die Räder. Bevor wir diese jedoch erreichen, werden wir nochmals anständig eingepudert: Denn vor uns windet sich ein Holzlaster die staubige Waldpiste hinunter und versetzt die Luft derart dicht mit Kalkpulver-artigem Staub, dass man kaum noch das Fahrzeug vor einem ausmachen kann.

Unten angekommen ist es nicht mehr weit bis zu unserem angepeilten Tagesziel: Dem Crna Gora Nationalpark, gelegen an einem See. Noch knapp 10 Kilometer Strasse trennen uns davon. Als wir unterwegs in einem Dorf jedoch eine Servicegarage entdecken, beschliessen wir vorher noch etwas gegen das Geqietsche, welches von den Vorderachsen der Cherokees ausgeht und weiter für Runzeln auf der Stirn sorgt, zu unternehmen. Evt. hilft ja schon etwas Fett.

Wir werden an eine zweite Adresse etwas weiter hinten verwiesen, finden diese jedoch kurz darauf auf Anhieb. Wiedermal sehr unkompliziert werden wir gleich eingeladen die Patienten nacheinander auf der perfekt ausgeleuchteten Servicegrube zu parkieren. Zusammen mit dem Besitzer werden die 3 Jeeps kurz inspiziert und dann mit der Fettpresse bedient bevor wir uns, eine Hand voll Euro leichter, wieder auf den Weg machen.

Pro Fahrzeug werden an der Zufahrtsschranke zum Park noch 3 Euro fällig, damit wir hoch fahren dürfen. Uns wird jedoch versichert, dass man oben Campen darf.

Nach einer kurzen Fahrt den Wald hoch, erreichen wir das Rezeptionshäuschen am See und checken ein. Für zwei Tage. Es ist sehr idyllisch hier und dazu kommt, dass wir erst übermorgen in Podgoriza unten sein müssen um Raphi, unseren 6. Mann abzuholen.

Viel Platz für Fahrzeugcamping hat's hier zwischen den Bäumen nicht, wir haben jedoch Glück und können die einzige grössere freie Stelle gleich rechts vom Eingang des Parks belegen.

Nach bekanntem "Schema" wird viel UNO gespielt und ich komme auch mal zum kochen, yay! Weniger toll hingegen ist, dass der STOMP Medipack ebenfalls zum Einsatz kommt, wenn auch nur für etwas Lösung und Steri-Strips: Am ersten Abend fällt nämlich durch ein Missgeschick die massive Akkubetriebene Laterne von der Markise herunter, trifft Simon sauber unters linke Auge... und fabriziert eine kleine Platzwunde und Kopfschmerzen à gogo.

Die Wunde ist trotz der späten Stunde und damit einhergehenden Zuständen schnell versorgt, wird Simon aber bis Ende der Reise in diversen Farbausprägungen begleiten (Bilder vom Folgetag).

Bevor noch mehr unnötiges passiert, legen wir uns schlafen.

:D :D :D

Tag 6, Freitag 14.07.2017

POI: Nationalpark "Biogradska Gora" - Montenegro - 5km zu Fuss :)

Der zweite Tag präsentiert sich durchgehend kühl bei rund 16 Grad im Schatten des dichten Laubwaldes. Als ich um 08:10 aufwache, tanzt der Rest noch mit dem Raki.

Ich starte desshalb zu einem kleinen Spaziergang um den See, welcher das Herzstück des Nationalparks bildet. Der Pfad ist gut ausgearbeitet, die Umgebung verliert ihr naturbelassenes Flair jedoch kein bisschen dadurch. Er führt, zeitweise auf Stelzen, durch ein dicht bewachsenes Moor, welches in allen Farben blüht. Man hat das Gefühl, dass jeden Moment ein Tross Elfen oder Zwerge um die Ecke gebogen kommt...

Als ich zurück bin, wird bereits wieder emsig an den Cherokees gewerkelt.

Pitsch hinterer linker Reifen ist mit irgend einer Flüssigkeit getränkt. Allzu viele Möglichkeiten gibt's da nicht: Also runter mit dem Ding und der Bremstrommel.

Schnell ist klar, die Bremsleitung ist lose und die Trommel ebenfalls getränkt. Wir ziehen die Leitung wieder an, spülen die ganze Sauerei an Trommel und Reifen mit Bremsreiniger grosszügig aus und füllen etwas Bremsflüssigkeit nach.

Danach werden die Reifen wieder auf Asphalt-Druck gebracht und die vergessen gegangene Stickerei aktualisiert. Denn Morgen müssen wir erst runter nach Podgoriza zum Flughafen und von da aus dann rüber nach Albanien bis kurz vor Shkodra; Und die Strecke ist durchgehend geteert.

Das UNO Deck und die Shisha sind Tag und Nacht wieder exzessiver Benutzung ausgesetzt, ebenso unsere Vorräte aus Zabljak. So kommt es, dass Simon und Mattia noch auf eine kleine Scoutingtour gen Süden aufbrechen um Nachschub zu besorgen. Chips und Löschmittelreserven sind innert einer Stunde wieder aufgestockt und finden schnell Abnehmer.

Der restliche Abend verläuft doch recht exzessiv. Bevor es in die Falle geht beschliessen wir, sehr zum Missfallen der restlichen Camper, um 02:00 "Wachen aufzustellen", wegen der Schoschonen die hier schön wohnen... :)

Tag 7, Samstag 15.07.2017

POI: Raphi in Podgoriza abholen und zum Lake Shkodra - Albanien - 150km

09:30: Unser Camp erwacht widerwillig zum Leben. Wir sind, entgegen der Erwartungen, vom Rest des Campingplatzes NICHT gelyncht worden. Naja mehr oder weniger zum Leben, schon nur sich die Schuhe zu binden stellt z.T. eine kleinere Herausforderung dar :)

Das Frühstück fällt eher spärlich aus, Hauptsache Kaffee um die Grobmotorik in Gang zu kriegen. Nach einem weiteren vergeblichen Versuch, die Ursache für das Gequitsche beim Forester einzugrenzen, indem wir den Ventilatöter ausbauen und inspizieren, fahren wir um 11:30 los gen Süden.

Vor Kolasin tanken wir bei einer Lukoil wieder voll und besorgen noch schnell das Nötigste in einem kleinen Laden am Strassenrand: Also hauptsächlich Bier und Kartoffelchips, Süsskram und dergleichen. Das eine oder andere Supplement zum Kochen geht da in der Statistik bereits unter... Wie gesagt, ein 5-Jähriger....

Was wir schnell an Höhe verlieren, gewinnen dafür an Temperatur: Als wir nach einer eindrücklichen Fahrt dem Moraca-Flusstal entlang gegen 13:00 Podgoriza erreichen, zeigt das Thermometer bereits wieder 36°C im Schatten an.

Wir haben nur noch wenige Kilometer bis zum Flughafen, aber noch 2h+ Zeit. Als wir am Strassenrand einen riesigen OKOV Baumarkt entdecken, beschliessen wir die Zeit zu nutzen um Zuhause gebliebenes und sonst benötigtes Material zu organisieren. Mini-Karabinierhaken für die ganzen Tarps, eine Fettpresse und Ersatzgummis für die Gobi-Rack Stabis des Wranglers.

Ersteres und zweiteres finden wir, und noch viel mehr: Das Gebäude hat 3 Etagen zu je 3 Hallen! Eine allein ist ungefähr so gross wie ein ganzer Schweizer Durchschnittsbaumarkt :D

Darin findet sich alles was man braucht um ein komplettes Haus zu bauen, es zu möblieren UND es wieder dem Erdboden gleich zu machen. Tim Taylor hätte geweint vor Freude :D Ebenso jeder Overlander, der dringend einen mechanischen Defekt reparieren muss und's bis hier her schaffen sollte.

In der sengenden Hitze fahren wir danach noch die letzten Kilometer zum Flughafen südlich der Grossstadt.

Um 14:00 treffen wir dort ein, immer noch eine Stunde zu früh. Eine Ecke zum Parken ist schnell gefunden, danach flüchten wir in die kühle Arrival & Check-in Halle.

Im Souvenir Shop schnappe ich mir ne schöne Flasche Raki für nen Arbeitskollegen, Pitsch besorgt Devisen und der Rest führt einen Giftgasanschlag sondergleichen auf den Toilettentrackt durch. Danach warten wir bei Kaffee und Sandwiches im Café neben der Arrival-Schleuse bis Raphi kurz nach 15:00 ankommt und wir Land gewinnen können.

Wir fahren ein Stück zurück und halten dann in östlicher Richtung aus Podgoriza raus Richtung Albanien. Über kilometerlange bolzengerade Überlandstrassen geht es durch dürre Steppenlandschaft auf das sich anmutig vor uns erhebende Bergmassiv zu, welches gleichzeitig die Grenzregion markiert.

Wir umfahren dieses südlich und treffen gegen 15:45 beim Grenzübergang "Hani i Hotit" ein.

Während der Montenegrinische Teil noch gut instand gehalten ist, ist die albanische Seite eine Baustelle und ein ziemliches Chaos. Dafür ist nicht viel Verkehr und das Personal entspannt.

Wir haben alle wohl schon Storys von korrupten Zollbeamten gehört. Eine Mitarbeiterin aus Albanien sagte mir vor der Abreise noch: "Wenn sie die grüne Versicherungskarte sehen wollen, leg einfach noch nen 5 Euroschein hinein."

Nix der Gleichen: Ich händige dem älteren Grenzbeamten einfach unaufgefordert sämtliche Dokumente (Pass, Fhz-Ausweis, Versicherungskarte) von Anfang an aus. Auch er bewundert das Verhältnismässig grosse Fahrzeug und als ich auf seine Frage, wohin es gehen solle mit "Shkodra and Theth" antworte, sagt er nur "Good, I am from Theth, very beautiful, you enjoy!" und schickt uns weiter auf die Reise.

Die Anderen haben am zweiten Häuschen ein ebenso ein tolles Erlebnis, welches aber leider nicht mit der erhofften Durchsuchung durch die schöne Zöllnerin endet :)

Bei einer gemütlichen Überlandfahrt durch die Steppe, erhaschen wir unsere ersten Blicke auf Albanien: Ja hier und da hat's mal ein Mülldump am Strassenrand oder es brennt etwas unbeaufsichtigt, aber die 3. Welt-Bilder, wie wir sie im Netz gesehen und sonstwie berichtet bekommen haben, können auf den ersten paar Kilometern in Richtung Shkodra nicht bestätigt werden.

Das Grün der Grenzregion weicht bald wieder gelber Steppe. Die Fahrt parallel zur Bergkette, welche uns zu unserer Linken von Nordalbanien trennt, dauert noch ein Weilchen, bis wir ein Schild ausmachen und die Schotter-Verbindungsstrasse zum Lake Shkodra Resort auf Anhieb erwischen.

Um 17:00 haben wir eingecheckt, bezahlt und die wichtigsten Camp Komponenten aufgestellt: Tisch-Stühle-Pivo :).

Der Camping ist echt schön gemacht. Es beginnt schon damit, dass man vors Tor fährt und dieses sich von alleine öffnet. Innen hat es endlos viel Platz, einiges davon überdacht, alles mit Stromanschluss und Rasen. Am See vorne befindet sich ein Holzsteg, den man benutzen kann um im angenehm warmen See baden zu gehen. Ein kleiner künstlicher Sandstrand komplett mit bequemen Liegestühlen und Malediven-Schirmchen lädt ebenfalls zum Chillen ein. Für 1.50€ kann man die Wäsche innert 2h. Waschen lassen, Toiletten und Duschen sind entweder gerade neu oder top in Stand gehalten. Das sehr sehr tolle Restaurant befindet sich ebenfalls am Strand vorne: Weitentfernt von Cameltrophy-Verhältnissen aber bö, passt grad so. :D

Nachdem uns Schwestern der See im Biogora resp. dessen Umtemperatur zu kalt war, haben wir nach 2 Tagen eine Dusche bitternötig. Es hatte uns zwar platztechnische Vorteile im Flughafen-Café verschafft aber genug ist genug. Als Erstes springen wir somit mal unisono in den Shkodra See.

Wenn auch nahe der Küste, ist dieser ein Binnensee und angenehm warm. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Pitsch und ich versuchen uns nachher wiedermal im Fischen... Was ungefähr so gut funktioniert wie das Etablieren der Demokratie in Afghanistan die letzten 16 Jahre... Trotz der Top Grund-Ausrüstung, welche uns Pitsch's Kollege mitgegeben hat, ziehen wir nur "Bodenhecht" raus...

Kurz vor 19:30 sind die anderen, wie an der Rezeption zu Beginn angedroht, schon dabei den Cherokee Kühler vom Geröllheimer durchzuspülen als Pitsch und ich zurückkommen. Also "die Andern": Einer spült den Kühler, der Rest steht dumm drum rum und spült nach Möglichkeit sich selbst mit Niksic 2 Literflaschen.

Pitschs vermeintlich erholsame Dusche in der Kabine neben unserem Waschplatz nimmt ein jähes Ende, als wir den Gartenschlauch auf den Hahn neben dem Duschkomplex umhängen, durchs Fenster der Kabine reinfädeln und unter höllischem Gelächter einmal recht freundlich kalt aufdrehen... Ein Gequieke für die Götter :D

Aus dem Video-Beweismaterial wurde unser erstes Youtube-Mini Filmchen für den Channel und eine gute Möglichkeit Editing-Software auszutesten.

Danach steht Abendessen an, und weil wir heute sowieso viel zu faul zum Abwaschen sind, gehen wir ins Resto am Strand. Verdammt gute Entscheidung weil verdammt gutes Resto.

Die Bestellung sieht ungefähr so aus: Einmal alles..

Uns wurde in der Folge für 50 Euro ein wahrliches Paradies auf den Tisch gezaubert. Zur Vorspeise gabs die wohl am schönsten hergerichtete kalte Platte, die ich bis dato zu Gesicht bekommen habe (und ich war schon viel im Piemont unterwegs). Danach für jeden was nach seinem Gusto. Seafood, Prairie-Food, Mafia-Food usw :).

Das Food Coma lässt nicht lange auf sich warten, Dave ist schon während des Abendessens im Zombie-Mode. Ich bleibe noch kurz am Strand und schaue mir gebannt den Sonnenuntergang an, bevor ich's dem Rest gleich tue und mich zurück zu den Autos aufmache. Gott was hätte ich für eine anständige Kamera gegeben.

Wir besprechen unter anderem noch den Grobablauf für die kommenden 3 Tage:

Am 18.07.2017, also Über-Übermorgen, soll uns die vorgebuchte Fähre Berisha den Koman See hoch nach Fierze in Nordalbanien bringen.

Zuvor wollen wir von Shkodra aus aber noch in den Theth Nationalpark hoch und irgendwo in der Gegend wild übernachten um unseren Frieden zu haben. Danach das Ganze zurück, über ein Flusstal und diverse Berge. Die erste Etappe nach Theth ist die kürzere und wird sicherlich einen Tag in Anspruch nehmen. Die zweite wird voraussichtlich mühseliger und länger, die Fähre wartet jedoch nicht. Gedrängtes Programm dafür dass wir eigentlich Ferien haben, aber wird schon schief gehen. Schliesslich hatten wir ja gerade erst nen Day-Off.

Tag 8, Sonntag 16.07.2017

POI: Theth Nationalpark - Albanien - 70km

Nach der Schlemmerei vergangene Nacht, ist erneut kein grosses Frühstück nötig, das Übliche. Unsere Futterreserven reichen sicher noch für 2 Nächte, das Trinkwasser geht jedoch langsam zu neige.

10:00 Wir haben einige Km vor Shkodra, in einer sich auf den zweiten Blick in der Renovation befindlichen Tanke, unsere Trinkwasserreserven wieder aufgestockt. Danach machen wir uns ostwärts auf der bereits gestern befahrenen Überlandstrasse auf nach Theth und fädeln gegen 10:30 in das Zubringertal ein.

Nachdem wir auf unserem Weg durch die Steppe gefühlten 12'000 Schlaglöchern und ebensovielen Benz-Limmos allen alters ausgewichen sind, wird die Strasse etwas solider. Die gelbe Steppe weicht allmählich einem felsigen, grünen Tal und der Gegenverkehr versiegt, während die 2000er beidseits immer dichter zusammenrücken.

11:15: Wir haben den Aufstieg am Ende des Tals noch nicht erreicht, als Pitsch über Funk Bremsprobleme meldet. Nachdem wir die Bremsanlage Vorgestern bereits einmal teilweise offen hatten, macht diese Meldung nicht gerade Mut. Täglich grüsst der Kühler der Geröllheimers, die Vorderachse des Foresters quietscht ständig mit Verdacht auf China-Radlager vor sich hin und nun gesellt sich noch die Bremse im 3. Cherokee zur Liste der ständigen Begleiter? Schauen wir's uns an.

Wir halten sogleich in einem saisonbedingt ausgetrockneten Bachbett an. Im Frühjahr ist die Strasse, der einzige Versorgungsweg nach hinten ins Tal ,die quer dadurch führt wohl einen halben Meter oder mehr unter Wasser.

Der Übeltäter ist schnell identifiziert. Beim Verteiler auf der Achse pissts raus. Kapput ist eigentlich nix, muss nur wieder nachgezogen werden. Danach kriegt der XJ einen erneuten Schluck Bremsflüssigkeit.

In der Erwartung, noch auf Schotter zu treffen bevors den Berg zu unserer Rechten hoch geht, beschliessen wir bei der Gelegenheit auch noch gleich den Reifendruck zu senken.

Falsch gedacht: Das Tal zieht sich zwar nicht mehr allzu lange weiter bevor der Anstieg beginnt, dieser wurde jedoch vor noch nicht allzu langer Zeit frisch geteert und mit neuen Leitplanken versehen wie es scheint. Nur auf dem Kartenmaterial wurde natürlich nix upgedated. Diese Entwicklung kann jedoch in ganz Albanien beobachtet werden. Es scheint es ist höchste Eisenbahn das Land noch auf abenteuerlichen Wegen zu erkunden, denn Monat für Monat fahren die Asphaltiermaschinen unaufhörlich weiter und weiter.

Der zusätzliche Rollwiederstand den der verringerte Reifendruck mit sich bringt, macht die schwindenden Temperaturen wieder wett und bis wir schliesslich auf dem Kamm oben sind, braucht die Dampfmaschine der Geröllheimers einige Pausen.

Um 12:30 verlassen wir die geteerte Strasse endlich und beschliessen uns einen Happen im schmucken Resto, welches kurz darauf vor uns auftaucht, zu gönnen.

Die Sonne weis nicht so recht was sie soll, einige Wolken hängen ebenfalls am Himmel, alles um uns ist still. Wir sehen bis tief ins Tal hinab und realisieren erstmal die Dimensionen der Berge Nordalbanies. Man kommt sich richtig klein vor. Das Wetter besorgt den Rest und zaubert einen Mix aus Idylle und Endzeitstimmung über die Landschaft. Wir befinden uns mittlerweile auf knapp 1700m.

Im Resto genehmigen wir uns Coke und Kaffee, haben einen Schwatz auf 3-4 Sprachen mit dem Kellner und werfen dann einen Blick in die Speisekarte. I just understand trainstation. Wir einigen uns schliesslich mit dem Kellner auf ein Kilo Oink-Oink für alle zum reinlangen.

Soviel sei gesagt: Es war... anderst... in vielerlei Hinsicht... Mein Magen hat daraufhin bis am Abend gebockt, kein Wort mehr mit mir gesprochen und nur noch unverständlich vor sich hingegrummelt. Die Aussicht vom Sitzplatz aus war jedoch phänomenal!

13:30: Bis Theth sind's noch ca. 15km Piste, bis zur angepeilten Stelle für unser Nachtlager noch ca. 20. Es muss irgendwo dahinter am Fluss unten liegen. Ob die Stelle Brauchbar ist, keine Ahnung.

Wir brauchen rund 2h bis nach Theth, macht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von <10km/h. Nicht weil die Route so schwierig wäre, sondern weil sie so eng ist. Klar ist sie stellenweise voller Schlaglöcher, in welchen man z.T. baden könnte, aber das hält einen anständigen Geländewagen nicht auf. Was ihn jedoch ausbremst, sind eine Invasion von Mercedes Sprinter Reisebussen, welche um jede zweite die Ecke geschossen kommen und Mercedes Limousinen die russisch-Roulette um die Schlaglöcher herum spielen.

Spätestens nachdem wir Theth gesehen haben, fragen wir uns wofür all diese Leute hier durch die Gegend gekarrt werden. In Theth leben gemäss der letzten Zählung rund 80 Menschen und mehr als Wandern im Park kann man als Touri da nicht gross. Die meisten sehen jedoch nicht nach Wandervögeln aus...

So geht das bis Theth: Fahren - ausweichen - fahren - ausweichen. Wir werden dafür aber wie schon beim Mittagessen reichlich mit atemberaubenden Ausblicken auf die Bergwelt belohnt. Das Wetter hält und wir bleiben trocken. Hierzu sei gesagt: Ja Albanien generell hat rund 250 Sonnentage im Jahr und wird derzeit gerade so richtig geröstet. Der letzte Regen liegt anderthalb Monate zurück.

Aber hier oben ist das keine Garantie. Denn auf 850 Metern über Meer, eingekesselt zwischen einer Gruppe von 2000ern auch bekannt als "Bjeshkët e Nemuna" (die verfluchten Berge), herrscht eine Art Mikroklima. Es ist kühler hier, das Quecksilber oft näher an 20 als an 30°.

Gut durchgeschüttelt und eingestaubt erreichen wir das Örtchen Theth gegen 15:30 und fahren vor der Brücke ins Dorf mal noch rechts ran.

Einerseits um kurz zu beraten, ob und wie viel weiter wir heute noch fahren wollen, andererseits um den Gobi Dachträger am Wrangler nachzuziehen.

Damit dieser nicht frei schwingt, ist er mittels 6 Spacern seitlich auf das Hardtop und die Karosse abgestützt. Diese sind ein sehr amerikanisches Produkt (Tolle Idee aber vor Ausführung nicht zu Ende gedacht) und lösen sich gerne mal auf längeren Holperpartien. Das Resultat ist ein konstantes Gequietsche, welches einem unweigerlich in den Wahnsinn treibt.

Als das erledigt ist, gilt es das Zückerchen für den Tag noch einzufädeln um die Jungs zu überraschen: Ich schlage vor noch etwas weiter zu fahren und mal wieder wild zu campen. Es gibt Campingplätze und B&Bs in Theth aber dafür sind wir nicht hergekommen. Zudem: Jeder Kilometer, den wir heute noch machen, bleibt uns morgen erspart. Es sind ab Theth noch 55km Piste bis wir wieder Asphalt sehen werden und, wenn man den Zahlreichen berichten und Offroad-Führern Glauben schenkt, sind diese kein Zuckerschlecken mehr.

Obwohl wir schon auf der richtigen Seite des Flusses sind, führe ich den Tross über die Brücke ins Dorf und auf der falschen Seite Flussabwärts. Bei einem Bed and Breakfast organisieren wir noch ein Dutzend Dosen Peja und ziehen dann weiter.

Kurze Zeit später stehen wir wieder vor dem Fluss Shala. Gefickt eingeschädelt: Die Piste auf die andere Seite rüber liegt nämlich unter dem Fluss/Bach, ein Detail welches ich bis jetzt brav für mich behalten habe... Pitschs Gegröle über den Funk verrät mir, dass er als erster gespannt hat, was ich im Schilde führe :D

Da die Schneeschmelze lange vorüber ist, sieht man den Grund grösstenteils,. Dr Fluss ist nicht viel breiter als ein paar Wagenlängen und geschätzt etwas über einen halben Meter tief.

Ich fahre die Böschung hinunter, schaue nochmals genauer hin und fahre schliesslich langsam aber stetig in den Fluss hinein. Indy's Untersetzungsgetriebe und Traktionskontrolle besorgen den Rest. Wir kommen ohne Probleme und nasse Füsse durch und auf der anderen Seite wieder auf die Strasse hoch. So auch die Cherokees inkl. dem nicht-gelifteten, strassenbereiften "Forester", welcher die vorderen Scheinwerfer kurzzeitig unter Wasser tunkt aber dann der Bugwelle ebenfalls erfolgreich folgt.

Euphorisch nehmen wir die letzten Kilometer zur angepeilten Campstelle, welche nix weiter ist als eine Lichtung neben dem Shala-Fluss irgendwo im Nirgendwo ist, unter die Räder.

Seit Theth hat der Fahrkomfort drastisch nachgelassen. Die Route ist ausgekarrt, zieht immer wieder steil nach unten und wieder hoch und ist von diversen kleinen Rinnsalen durchzogen. Gegenverkehr auszuweichen stellt mittlerweile insofern ein Problem dar, als dass rechts die Felswand 100m gerade nach oben, und links ebenso nach unten abfällt. Mir fehlen im dicken Wrangler bei den beiden Begegnungen mit Local 4x4s von der Gegenseite teilweise nur Zentimeter bevor's nach unten geht und bete einfach dass der Hang hält.

Um 17:30 herum erblicken wir im Tal unterhalb die aufgrund der Satellitenbilder von Google Maps vermutete grosse Wiese am Fluss. Trotz des Gefälles, führt uns die Piste Schlussamendes auch dort hin.

Als wir ankommen ist die Sonne bereits zu weiten Teilen verschwunden. Doch die Freude darüber, endlich ab vom Schuss und von allem und heil angekommen zu sein, überwiegt eindeutig.

Das Team ist mittlerweile dermassen gut eingespielt, dass es reicht wenn ein Fahrzeug sich wo auf der wiese Positioniert, der Rest fährt automatisch seine Positionen an und innert 5 Minuten steht das Camp, die Peja-Dosen knacken, die Shishakohlen heizen. Wir lassen die heutige Piste Revue passieren, versichern uns dass die Fahrzeuge i.O. sind und besprechen den morgigen Tag.

Unsere Infos, dass dieser streckentechnisch kein Zuckerschlecken mehr werden würde, erhärten sich.

Denn während die ersten 3 Fahrzeuge durch den Fluss gewatet sind, haben Dave und Raphi noch kurz mit einer Familie in einem gestrandeten weissen Landcruiser, dem Akzent an Sachsen, am Ufer gesprochen: Sie haben die selbe Route im Sinn wie wir, aber Rückwärts. Sprich sie sind unsere für Morgen geplante Strecke bereits gefahren, haben jedoch 2 Tage gebraucht für die 55km Piste und 25km Strasse. Vor uns lägen weitere Wasserdurchfahrten bevor es über anspruchsvolle Passagen hoch und runter durch die Berge geht. Verkehr gäbe es praktisch keinen mehr, wenn dann nur noch 4x4 mit genügend Bodenfreiheit.

Die Infos werden nüchtern aufgenommen: Fähre hin oder her, wir sind bis hierher gekommen, ändern können wir an der Lage nichts und umkehren werden wir ganz bestimmt nicht. Entweder es reicht morgen für die 80km zurück nach Shkodra und am Folgetag auf die Neun-Uhr-Fähre oder dann halt eben nicht. Wir werden früh aufstehen und zufahren bis wir entweder da sind oder uns das Tageslicht ausgeht, let's roll the dice....

Pitsch macht noch einige Drohnenaufnahmen während Matthia und Dave sich zum Fischen an den Bach neben unserer Wagenburg verdrücken. Gefangen wird wieder nix, oder...

Der Rest wendet sich der Kocherei zu: Spaghetti al Tonno mit schwarzen Oliven steht auf dem Menü. Zum Dessert Staldencrème mit "Chröm".

Mit den Worten von Bud Spencer: "Mhhhhh, sieht aus wie ein Eitergeschwür" :D

Tag 9, Montag 17.07.2017

POI: Zurück nach Skhodra - Albanien - 80km

Um 07:45 wird der letzte Kofferraumdeckel zugeschlagen und wir fahren los.

Das Wetter gibt sich, analog gestern Abend, weiterhin frisch aber trocken.

Unser erstes Tagesziel ist das Dörfchen Nderlysaj, welches aus ein paar wenigen Hütten besteht und am Rande des von Bächen durchzogenen Geröllfelds in der Talsohle liegt. Wir haben beschlossen, sofern einigermassen fix erreichbar, noch "Siri y Kalter", das blaue Auge zu besuchen.

Um Nderlysaj scheinen die Locals ihre eigenen Wege zu benutzen, die Karte stimmt nur noch bedingt. Wir durchwaten mehrere Stellen, wo das Wasser entweder über den Weg fliesst oder sich in diversen Vertiefungen gesammelt hat und kommen so nach Nderlysaj.

Ein altes Männlein kommt uns sogleich entgegen und fragt uns etwas. Was haben wir nie heraus gefunden, obwohl wir es von Gebärdensprache bis und mit jedem Wortfetzen den wir in irgend einer Sprache kennen probiert haben. "Ausser Siri y Kalter", ja (po) und nein (jo) verstehen beide Parteien nix. Als wir in das kleine Dorf einfahren und feststellen, dass es hier nicht weitergeht, dämmert uns was der Alte wohl gemeint haben könnte ;)

Also nochmals durch die beiden Basins zurück und ums Dorf herum. Über einen antändig runtergehurten Trail fahren wir entlang des Quellflusses auf die vermutete Position des blauen Auges zu, müssen aber noch lange vorher anhalten. Von da her führt nur noch ein Fusspfad weiter, auch für Motorräder kaum machbar resp. auch da wäre man schneller zu Fuss unterwegs.

Und das sind wir um 08:45. Dave, Mattia & Simon wollen zurück bleiben und sich noch eine Trek'nEat Mahlzeit reinzupfeifen. Raphi, Pitsch und ich kriegen 30 Minuten um schauen zu gehen, ob da wirklich was ist. Danach will die Gruppe weiter.

Wir steigen zügig den Hügel hoch und verfluchen innerlich das gestrige Shisha-Gedampfe. Der Fluss verläuft bald schon weit unter uns und wir realisieren, dass die Zeit und unsere Infos zum genauen Zugang wohl nicht ausreichen.

Zurück gönnen wir uns am Bach noch eine kleine Erfrischung. Das frisch gezapfte Wasser ist klarer als klar und eiskalt, herrlich. Das weckt die Lebensgeister mehr als aller Kaffee der Welt.

Familie Forester übernimmt erneut den Lead zurück ins Tal. Simon und Raphi fröhnen bis dahin ihrer neuen Leidenschaft: Roofrack-Riding, Hirnis... :D

Wir überqueren eine sichtlich in die Jahre gekommene Betonbrücke, setzen unsere Reise gen Süden für den Moment auf der Linken Seite des Shala-Flusstals fort und passieren die "Kisha Breg-Lumi Shales", eine kleine Kirche.

Der Weg wird kurzzeitig wieder einfacher und ist auf Hundert Metern durch das nächste Dörfchen sogar geteert. Daraufhin fällt der Fahrkomfort abrupt ins Bodenlose. Die Luft unter den Differential des Foresters stellenweise ziemlich dünn und auch mit dem Wrangler kann nicht mehr einfach blindlings durchgeholztt werden. Ein Vorgeschmack der Dinge, die da kommen mögen. Im Schritttempo lassen wir die Passage und eine Familie mit bepacktem Maultier im Rückspiegel und kehren zurück hinunter an den Fluss, welchen wir erneut über eine massive aber verwitterte Brücke überqueren.

Dann geht es an den Aufstieg. Wir fahren Stundenlang über die holprigste Piste, die mir bis Dato untergekommen. Bei 5-8km/h kommt es einem zeitweise vor, als würden wir in der Zeit zurückfahren. Wir überqueren einige Kämme und die sich ständig neu auftuenden Bergpanoramen halten uns stets gebannt. Es ist unglaublich schön hier in der Einsamkeit. Ausser ein paar Höfen, auf denen noch gefuhrwerkt wird wie zu Grossvaters Zeiten, sehen wir über Stunden praktisch nix und niemanden.

usser einer kurzen "Kaffee & Kekse"-Pause geht das den ganzen Tag so. Spätestens ab der zweiten Hälfte wird uns bewusst, wie glücklich wir uns schätzen können, dass es so lange nicht geregnet hat und das Wetter auch heute wieder hält.

Die unendlich lange Abfahrt ist erdig, und fällt oft hindernissfrei ins Tal hinab. Den Weg im Trockenen Diff- und Reifenschonen zu wählen ist eines, dabei im Schlamm ins Rutschen zu kommen wäre hier oben verheerend. Die zahlreichen mit Blumen verzierten Gedenktafeln und Schreine, die wir unterwegs passieren, sind wohl dieses Umstands traurige Zeugen.

Unser Tempo war zwar langsam, aber konstant und so erreichen wir wider Erwarten das Dörfchen Prekal gegen 16:00. Es markiert gleichzeitig auch Ende der Piste. Niemand beschwert sich darüber. Bei der Einfahrt kriegen wir eine erneute Demonstration dessen, wie gut das Buschtelefon in Albaniens kleinen Kommunen funktioniert: Die Kids sind bereits in den Startlöchern als wir einfahren :) "Helloooo Misteeer, Hellooo"

Wir passieren, um den Rest unseres Bonbonvorrats erleichtert, bei der Dorfausfahrt an einer Kneipe den polnischen Tross aus Über-Offroadern, den wir auf dem letzten Stück passieren liessen.

Dachträger mit Zelten, Zusatzscheinwerfer & LED-Bars à gogo, fette Stossfänger mit Winches, keine Reifen unter 35" und geliftet bis unters Himmelszelt. Das "kleinste" Fahrzeug ist ein Grandcherokee, welcher neben den Steroiden-Patrols und Landcruisern wie ein Playmobil-Auto dasteht. Wir fallen verglichen damit wohl in die Matchbox-Kategorie :D

Bei einem Strassenhändler am Stadtrand von Shkodra besorgen wir etwas frisches Obst und Gemüse, bevor wir Shkodra kurz vor 17:00 erreichen. Nach einigem Vor- und Zurück lokalisieren wir schliesslich einen Spar Supermarkt, um unsere Lebensmittelvorräte aufzustocken. Darunter ist auch eine Grosspackung Cevapcici. Denn Morgen Abend, wenn unsere Pläne denn aufgehen, sind wir bereits wieder irgendwo im Niemandsland Nordalbaniens, 15-20km zur Grenze mit Kosovo entfernt.

Eine gute Gelegenheit endlich unsere Feuerschale mit Dreibeingrill, die uns Dävu grosszügigerweise geliehen hat, auszuprobieren. Auf dem Parkplatz vor dem Spar treffen wir ein paar Gleichgesindte aus Deutschland, welche sich ebenfalls 3 Wochen Zeit genommen haben um den Balkan in Ihren Defendern zu erkunden. Sie haben keine Fähre vorreserviert und fahren darum im Anschluss direkt ans Fährenterminal am Komanstausee um für Morgen sicher einen Platz auf einem der beiden Neun-Uhr-Fähren nach Fierze zu ergattern. Nachdem Schwatz wünschen wir uns weiterhin viel Spass auf der Reise und machen uns wieder auf den Weg.

Ein Pit-Stop später, öffnen sich uns um 18:00 die Tore des Lake Shkodra Resort ein zweites Mal. Der Check-in ist schnell gemacht und das Camp steht im Nu. Dabei fällt uns auf, das quer hinter uns der Landcruiser, welchen wir am Fluss in Theth gesehen haben steht.

Die Familie erkennt uns ebenfalls sogleich und so tauschen wir unsere Geschichten aus. Sie haben den Rückweg heute ebenfalls geschafft, nachdem sie das verschobene Federblatt am hinteren Teil des Fahrwerks unter freundlicher Mithilfe einiger Locals wieder zurecht-positioniert hatten.

Mit einem Bärenhunger fallen wir 90 Minuten nach Ankunft und eine Badepause im See später, wieder übers Camp-Restaurant her. Der restliche Abend verläuft, schon fast Traditionsgemäss, mit einer Mischung aus feinem Essen, Geschraube und Gelächter. So soll es sein.

Tag 10, Dienstag 18.07.2017

POI: Von Skhodra mit der Lake Koman Fähre zurück nach Nordalbanien - 185km

Wir stehen früh auf. Um 06:45 wird der Bialetti Kaffeekocher in Betrieb genommen.

Bis danach die Zähne geschrubbt und die Pferde gesattelt sind, ist aber doch schon fast wieder eine Dreiviertelstunde später, später als geplant... Um 9 geht die Fähre, es sind 68km bis dahin. Angesichts der potentiellen Unbekannten, die Albanien gerne mal aus dem Hut zaubert, eher ambitiös

Shkodra scheint noch etwas verschlafen, der Verkehr ist spürbar aber hält sich noch in Grenzen: Vieles mit Stern, ausserhalb ist durch Einachser, Eselskarren, freilaufende Pferde und Schafsherden für Unterhaltung gesorgt.

Ausnahmsweise wurde die Grobroute resp. das Ziel allen erklärt, falls wir uns unter Zeitdruck verlieren sollten. Die Geröllheimers verlieren wir noch in Shkoder. Eine Umleitung infolge Baustelle kostet uns weitere wertvolle Zeit, bevor wir die vorerst letzte Ortschaft im Rückspiegel lassen und auf die Überlandstrasse fahren, die uns den See resp. die "Drin" entlang zu derenn Staudamm führt. 35 Km und 50min verbleibend.

Die Geröllheimers schliessen zwischenzeitlich auf und da mangels Abzweiger ab hier niemand mehr falsch Fahren kann, schalte ich in den Bleifussrallye-Modus um Notfalls die Fähre hinzuhalten. Die Piste ist zwar wie angepriesen asphaltiert jedoch in ziiieemlich miesem Zustand.

Das fragwürdige Hochgeschwindigkeits-Vollbremsungs-Ballet um die zahlreichen Formen der Asphaltschäden und anderen Verkehrsteilnehmer herum dauert noch weitere 25 Minuten an. Die Raserei mach sich bezahlt: 08:40, 20 Minuten bevor die Fähre ablegt, haben alle wieder bei der letzten Brücke, 2km vom Fährenterminal beim Staudam entfernt aufgeschlossen.

Die Locals weisen uns freundlicherweise nochmals den Weg einen Hügel hoch und durch einen Tunnel.

Am Dock herrscht "buntes Treiben". Der Istanbuler Basar war eine Lachnummer dagegen. Das Fährenpersonal der "Berisha" hilft uns jedoch dabei dem Chaos Einhalt zu gebieten. Reservationsausdruck gezeigt - "OK, you follow me"

Die Fähre wird voll beladen: Der letzte Benz hat die Hinterachse noch auf der durch 2 Baumarktseilwinden gehaltenen Rampe. Wichtig: Bares ist Wahres! Denn bezahlt wird vor Ort und es gibt kein Kartenterminal oder sonstige elektronische Zahlungsmöglichkeiten. ATMs hats in der Umgebung ebenfalls keine.

Bezahlt wird für Gewicht und benutzte Quadratmeter. 3 XJ Cherokees und ein JK Wrangler Unlimited 2.5h auf der Fähre kosteten uns 187€... Ripped off or not, wir würden es wieder Bezahlen.

Um 08:55 steht der letzte Cherokee auf der Fähre, wie angetönt wird aber noch weiter beladen und schliesslich wird es 09:30 bis wir ablegen. Die zweite Fähre ging pünktlicher, mit an Bord die beiden Landy-Jungs vom Spar gestern.

Während der nächsten 2.5 Stunden schippern wir gemütlich den Koman-Stausee hoch. Ab und zu sehen wir ein paar Locals in Ruderbooten die der Berisha zuwinken aber sonst ist hier niemand. Die Heckklappe des Wranglers kann gerade noch weit genug geöffnet werden, dass ich in an die "Coffee-Break"-Kiste komme. Mit dem albanischen Pendant zu Prinzenrolle und einer zweiten Runde Kaffee holen wir auf den Roofracks der Jeeps unser Frühstück nach. Eine sanfte Brise geht, die Morgensonne ist angenehm warm und die zum Unesco Welterbe erklärte Umgebung eine Augenweide: "S' Läbe isch schön" tönt es vom Dach des Geröllheimers her, recht hast du mein Freund.

Anfangs noch ein breites Tal mit dem einen oder anderen kleinen Hof am Ufer, fahren wir bald in eine durch hunderte von Metern aufragende Felswände in eine Verhältnismässig enge Schlucht.

Nachdem wir am Wrack einer "Berisha"-Vorgängerin und zwei sichtlich vergnügt badenden Kühen vorbei geschippert sind holen wir die Landyjungs auf ihrer Fähre wieder ein. Kurz nach 12:00 legen wir in Fierza an. Or do we?

Das Dock ist irgendwie so nicht wirklich existent. Keine Montagemöglichkeiten für die Schiffstaue, nix :D Die Fähre fährt kombiniert mit Gegenschub einfach so fest auf Grund, dass sie nicht mehr abgetrieben wird, lässt die Laderampe nach unten und ein paar Locals mit Schaufeln perfektionieren die Rampe soweit, dass die beiden Benz-Limmos es auch rausschaffen. Ein köstliches Schauspiel.

Jeder ist der Erste und so übergibt die Fähre einen durcheinander gewürfelten Mix von Autos, Bikes und Rucksacktouris gleichzeitig aufs Ufer. Pitsch hält das Treiben mit der Drohne fest, der Rest versucht zumindest keine Frauen und Kinder zu überfahren :D

Kurz nach der Auffahrt halten wir nochmals an: Nicht jedoch um uns zu versichern, dass wir keine Rucksacktouris in den Radkästen haben, sondern um etwas Gewicht aus dem Geröllheimer auf die anderen Fahrzeuge umzuverladen. Es ist zwar ein nagelneues OME +2.5" Fahrwerk verbaut, jedoch nicht eines mit extra Federblatt für schwere Zuladung. Der arme Jeep hängt hinten hoffnungslos in den Eisen.

Ein paar Rucksacktouris erklären Dave & Raphi bei der Gelegenheit noch, dass 17km Luftlinie Mittags um 12 durchaus ein ambitioniertes Tageslaufziel sein können, wenn man aufgrund unbedeutender natürlicher Grenzen wie Flüssen. zuerst 5 km in die falsche Richtung laufen muss bis eine Brücke kommt. die einem dann nochmals so weit zum Start der eigentlichen "17km Luftlinienstrecke" bringt :D

Nachdem wir genannte Brücke überquert haben, meldet sich der Hunger und wir fahren auf einen Platz am Strassenrand um uns was zu kochen. Parallel wird Daves linkes Vorderrad zum wiederholten mal erfolglos demontiert. Die Idee Köfte aus der Dose zu kochen gelingt insofern erfolgreich, als dass der Wind die instabile Gaskocherei über die Heckklappe verteilt und wir gezwungen sind essbare Sauce zu verwenden anstatt das Zeuchs was ursprünglich in der Dose war.

Wir überleben das Mittagessen. Danach geht es wieder bergauf, sprichwörtlich. Vorbei an einem imposanten Staudamm zur Stromgewinnung, Waldbrandherden, einer Trinkwasserverarbeitungsanlage und unseren Landyfreunden vergeht der Tag bei unvergesslichen Aussichten tief hinunter auf die gestaute "Drin". Wir fahren nun Ostwärts in Richtung Kukës, legen zwangsläufig die eine oder andere Kühlerpause ein.

Ziel ist es heute wild zu campieren.

Simon fällt im Laufe der Fahrt noch eine weitere Übungsbestimmung ein: "Ich will heute wiedermal Kind sein und bei unserem Camp einen Bach stauen." - Challenge accepted. Wir finden ein, zwei Flüsse, die die Strasse auf der Karte kreuzen. Der Erste führt zwar Wasser, ist ansonsten aber ungeeignet zum Übernachten.

Der Zweite führt uns zum erlebnisreichsten Übernachtungsplatz unserer Reise. Nachdem wir in Shenmëri dem Flusslauf ein kurzes Stück weg von der Strasse auf einer Schotterpiste gefolgt sind, entdecken wir Links ein zerfallenes Gebäude, eine grosse offene Wiese und ein kleines Bächlein, weilches vom Fluss aus abzweigt und um den ganzen Platz herumverläuft. "The universe provides" - Unser Nachtlager mit allen Schickanen ist um 17:00 gefunden.

Auf der anderen Flussseite sind noch ein paar Locals mit Kühen und Ziegen. Ich schnappe mir ein paar Bonbons für die Kids aus der Mittelkonsole des Wranglers und mache mich auf nach Drüben. Kein grosses Problem, da der Bach saisonbedingt nur wenig Wasser führt. Die Kids sind in etwa so scheu wie ihre Tiere. Ich frage die Älteste ob die Kleinen Süssigkeiten haben dürfen. Sie nickt zögerlich.

Mit dem vergnügten Gekicher der kleinen im Rücken mache ich mich auf zurück in unser Camp. Die Bachstauerei ist bereits im Gange und ich steuere mit der Schaufel Grasmutten zum Abdichten des Steindamms bei. Es dauert nicht lange, bis das Buschtelefon auch hier draussen seine Wirkung entfaltet und sich einige Jugendliche zu uns gesellen. Darunter Juergen und sein kleiner Bruder. Die beknackten Schweizer die den Bach stauen, scheinen eine ziemliche Attraktion zu sein und so werden es noch einige mehr.

Das geht so lange gut, bis gegen 20:00 einer von Juergens Kollegen mit dem VW Passat des Vaters ankommt.

Er ist deutlich zu schnell unterwegs und schiesst auf der Schotterpiste oberhalb unseres Camps regelrecht an uns vorbei, wir schmunzeln noch über das Klischéeverhalten. Das Nächste, was wir mitbekommen ist von schleifenden Reifen auf Schotter, gefolgt von einer Art dumpfen Krachens.

Wir denken uns vorerst nichts weiter dabei. Er wird wohl eine Handbremswende um die Einfahrt, die wir auch genommen haben, gemacht und evt kurz etwas gestreift haben...

Doch da kommt kein Auto hinter dem eingefallenen Gemeindehaus hervor, lediglich eine immer grösser werdende Staubwolke breitet sich hinter dem Gebäude aus. Der wird doch nicht...

Wir wenden uns von der Stauerei ab um ums Gebäude herum sehen zu können. Die ersten paar Schritte eröffnen uns den Blick auf einen Jugendlichen, der sich krümmend im Gras liegt, ein zweiter steht desorientiert daneben. Ein paar Schritte weiter und wir erblicken den Passat noch lange vor der Einfahrt. Er hat sich offensichtlich überschlagen, hat einige Sträucher und einen kleinen Baum abrasiert und ist wieder auf den Rädern gelandet.

Meine Fresse, ist mein erster Gedanke, bevor ich mir den Medipack hinter dem Beifahrersitz des Wranglers schnappe und den Anderen zur Unfallstelle hinterhereile., in flip flops...

Simon ist bereits mitten in der Triage, als ich kurz darauf ankomme, ruhig und gelassen: Keine Blutungen oder offenen Brüche, lediglich Schockzustand und ziemlich sicher eine angeknackste Rippe bei einem der Beiden. Juergen und Daves KFOR-Sprachmittlerbehelf helfen bei der Verständigung.

Der Rest inspiziert den Passat. Die Karosse sitzt schief, einige Scheiben sind draussen und mindestens ein Reifen hinüber. Der Motor ist abgestellt, Treibstoff tritt auf den ersten Blick keiner aus und es qualmt auch nix. Soweit so gut, hätte schlimmer sein können.

Und was jetzt? Shenmëri ist mehr eine Ansammlung von Häusern als ein Dorf. Die nächstgrösste Ortschaft ist Kukës, um die 40km entfernt.

Hier wird sowas anders gehandhabt als wir es uns vorstellen, erklärt Juergen: Die einzige Ambulanz und Feuerwehr die hierfür aufkreuzen wird, ist die freiwillige Feuerwehr Wädenswil und die ist schon da.

Eine Ambulanz werde wohl erst nötig, wenn der Vater des Fahrers davon erfährt, dass sein Auto geschrottet ist. In der teils-demolierten Heckscheibe klebt noch immer ein Schild auf welchem auf albanisch "zu verkaufen" steht...

Sie seien froh für unsere Hilfe aber wir bräuchten uns ab hier nicht weiter einmischen, alles sei gut und werde sich regeln. Und das tut es. Einige Zeit später, es ist schon Dunkel, erscheint ein alter Lastwagen, der den Passat mittels Seilwinde auf die Ladebrücke hochzerrt und sich wieder davon macht.

Wir haben Juergen zum Abendessen eingeladen und vor einiger Zeit ein Feuer in der Feuerschale entfacht. Unglaublich was der 19-Jährige alles zu erzählen hat.

Man liest zwar viel davon in den Zeitungen und Statistiken über Jugendarbeitslosigkeit etc, aber so wirklich kapieren, was dahinter steckt und wie verzweifelt und perspektivlos das Leben für die Jugend hier wirklich ist, GLAUBT man dabei bestenfalls verstanden zu haben...

Die Cevapcicis schmecken vorzüglich, die Pesto-Spaghetti sind nach einem kleinen Malheur eher mit Vorsicht zu geniessen.

Als sich Jürgen gegen 22:00 verabschiedet, schenkt ihm Raphi seine Stirnlampe für den Heimweg.

Ein wahrlich bewegter Abend, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

In Teil III geht's weiter durchs Albanische Gebirge nach Tirana und zurück an die Küste, wo es auf die Fähre nach Hause gehen soll... soll.... sollte... hätte gehen sollen.... :D