2017-06 Westalpen 2 (F/IT)

Pisteninhalt: Römerweg Lac du Mt Cenis kurz - Monte Jafferau untere Route - Col du Sommeiller - Colle delle Finestre - LGKS/Via del Sale um Tende

 

Alle Jahre wieder, wir folgen dem Ruf der Westalpen... sind jedoch noch etwas früh dran wie sich rausstellen sollte ;)

 

"Wir", das sind diesmal G im 2.8l Wrangler und ein Tross des 4x4 Club Aargau bestehend aus:

 

Mein alter Herr im 2.7l G,

 

Adi im 2.2l Defender 90,

 

Roli im 4.7l Landcruiser,

 

und Wädi im 2.7l  Grand Cherokee WJ

 

 

 

 

 

TAG 1, Sonntag 18.06.2017

POI: Col du Mont Cenis @ 2081m

 

Dad und ich treffen um 08:20, 10 Minuten zu früh und doch als letzte, am vereinbarten Treffpunkt auf der Raststätte Grauholz vor Bern ein. Die Vorfreude bei den anderen scheint demnach riesig zu sein.

Die Idee wiedermal zusammen im Westalpenschotter herumzuspulen kam zustande, weil man ein Clubmitglied dazu bringen wollte, seinen 550PS Rangerover endlich mal artgerecht zu bewegen. Dazu soll es aber zumindest diesmal nicht kommen, beim 2. Kaffee des Tages wird bereits darüber gewitzelt.

 

Danach werden noch Funkis verteilt und getested. Wir haben für die 5 Fahrzeuge überlappend 4 CBs und 3 Kenwood PMRs... Wird schon schief gehen solange man sich im Kopf behält, wer über welche Röhre erreichbar ist :D Mit anderen Worten: Das kann ja heiter werden :)

Gegen 09:00 geht die lange Fahrt über viel Autobahn und eine Hand voll Pässe los.

 

Ich führe den Tross für die Verschiebung gen Süden im Wrangler an, gefolgt von Defender, Cherokee, Landcruiser und G als Schlusslicht. Das Wetter präsentiert sich uns sommerlich, der Verkehr hält sich in Grenzen. Via Montreux, Martigny und Verbier gelangen wir, wie die vergangenen Male auch schon, zügig auf den grossen St. Bernhard Pass und passieren das Kloster und einige hundert Meter darauf die Grenze zu Italien gegen 11:30.

 

Die Abfahrt ins Aostatal wird durch einige Baustellen etwas in die länge gezogen. Unten im Tal angekommen, beschliessen wir während einer kurzen Pinkel- und Rehydrationspause an der nächstmöglichen Tanke nochmals etwas Sprit nachzufüllen. Dies Klappt aufgrund der Siesta nicht auf Anhieb, wir finden aber schliesslich noch eine Tanke die wir direkt mit Scheinen füttern können.

 

Via Pré Saint Didier, über den kleinen St. Berhard Pass und vorbei am  Lac du Chevril Stausee gelangen wir schliesslich gegen 14:40 nach Val D'Isère und stellen die Wagen kurzerhand in den Hinterhof eines über den Sommer geschlossenen Hotels.

 

Als die Motoren aus sind und dieses grauenhafte Rumoren noch immer weitergeht, habe ich nun Gewissheit, dass nicht etwa der Ausspuff an Rolis V8 abgefallen ist... Dann muss es mein Magen sein, der so knurrt.

Das "La Casserole" rettet uns mit diversen Salaten, Steaks und seinen grossartigen Pfännchen im 2017 erneut vor dem sicheren Hungertod.

 

Gegen 15:45 ist das seelische Gleichgewicht wieder hergestellt, nicht nur bei uns 5, sondern auch beim Goldenretriever der Serviertochter :D

Wir machen uns in gewohnter Formation wieder auf die Socken. Schliesslich stehen noch 2 Pässe und ein Trail an, bis wir Bardonecchia, unser Tagesziel und Ausgangspunkt für die nächsten 3 Tage, erreichen.

Ausfahrts Val d'Isere wird die Strasse saniert und wir kriegen schonmal einen Vorgeschmack auf die Dinge die da noch kommen werden.

 

Nach vielen Kurven und erreichen wir um 16:30 die Passhöhe zum Col de L'Iseran auf 2764 Metern Höhe. Bei dem Panorama das sich uns bietet, wollen wir kurz ein Gruppenphoto knipsen. Da wir bisher noch nichts als Asphalt unter die Räder bekommen haben, schlage ich vor die Wagen neben die kleine Kirche Notre-Dame de l'Iseran zu stellen. Die Zufahrt wird nämlich noch durch eine kleine Schneewächte erschwert und unten sieht es sumpfig aus. Gesagt, getan. Nicht weil es nötig ist, sondern weil wir's können und sehr zur Belustigung der zahlreichen Zuschauer die sich zwischenzeitlich von ihrem Fahrrad-Rennen abgewendet haben.

 

Nach der kurzen Fotosession solls wieder zurück auf die Passstrasse gehen. Auf mein "durch den Schlamm hoch und wer absäuft zahlt die erste Runde in Bardonecchia" geht jedoch niemand ein. Also fahr ich halt alleine durch.... und versenke den Wrangler prompt um ein Haar weil ich vergessen habe das ESP auszuschalten, welches mir in der Mitte der Pampe prompt den ganzen Vortrieb abwürgt. Ich schaffs gerade so raus. Wädi versenkt den grossen Indianer ebenfalls beinahe am tiefsten Punkt der Schneewächte daneben. Der Rest fährt mit Würde aussenrum... "It's a J.... ust shut up already!" :D

 

Die Aussicht auf dem Weg hinunter in die nächste Talsohle und nach Bonneval-sur-Arc können wir lange geniessen... Denn vor uns fährt ein sichtlich überforderter Rentner, Nase 1cm über Lenkrad, knöchel weiss angelaufen, in der Mitte der beiden Spuren mit 5-10km/h, I shit you not. Hintendran eine immer länger werdende Schlange, die nach einiger Zeit exzessive Tests der akustischen Signalanlagen an ihren Kfz's zu fahren beginnt.

Der Alte ist dermassen überfordert, dass er auch nimmer auf die Idee kommt, mal an einer der zahlreichen Ausweichnischen und Aussichtspunkte rechts ranzufahren und den mittlerweile auf über ein Dutzend Fahrzeuge angewachsenen Tross vorbeizulassen. Man könnte ja herunterfallen...

 

Ungefähr auf halbem Weg nach unten, bietet sich eine Gelegenheit. Eine breite Kurve und von unten weit und breit kein Gegenverkehr zu erkennen. Ich presche auf der innen Seite dran vorbei, der Rest tut's mir bald darauf gleich. Es sind nicht die urähnigen Autos, die man ab und zu mal genauer anschauen sollte, bevor man sie auf die Strasse lässt...

 

 

Bei Lanslebourg gehts wie gewohnt wieder links die Serpentinenstrasse hoch. Diesmal jedoch gilt es noch einer Britischen Fahrradrallye auszuweichen, bevor wir das kleine Resto und die Skulpturen, welche an die Alpenüberquerung von Hanibal und seinen Dickhäutern 218 v. Chr erinnern, erreichen.

 

Das Wetter ist durchzogen. Die bisher anhaltende Sonne hat sich verdünnisiert und nur stellenweise präsentiert sich uns der prachtvolle Lac du Mont Cenis in deren Licht.

 

Nach einer kurzen Kaffeepause im Pass-Resto, begeben wir uns zum Einstieg des Römerwegs um heute doch noch etwas Schotter unter die Reifen zu kriegen. Der Weg hat sich seit letzten Herbst nicht gross verändert, auch unsere beiden SUVs schaffen die erste Teilstrecke problemlos. Ebenso die zweite, welche infolge eines Falschabbiegers meinerseits bald schon wieder auf die geteerte Passstrasse einmündet und uns die beiden kniffligen Stellen der eigentlich angepeilten Route "erspart".

 

Also machen wir uns auf die letzte Abfahrt ins Susatal und nehmen von dort aus die Autobahn nach Bardonecchia, wo wir für die nächsten 3 Nächte in der "Residence Tabor" einquartiert sind. Alles gerade frisch renoviert und möbliert., Ikea-Raumduft inklusive :).

 

Nach einer kurzen, erfrischenden Dusche gings die Dorfstrasse hoch auf der Suche nach Essbarem :)

Mangels Wintersport-Touri-Auflauf ist auch hier vieles geschlossen. Nach einigen Hundert Metern Hügelaufwärts werden wir jedoch in der Pizzeria "Cusiné Royal" fündig. Meine Begleiter bestellen Italo-Frisbees, ich zwei Tiramisu weil ich eigentlich noch voll vom herzhaften Mittagessen bin. Dazu kühles Poretti Rosso. Die Pizzen werden auch von unserem Meisterkoch als gut befunden und ich bin vom Tiramisu so weg, dass ich nochmals 2 Einmachgläser davon nachbestelle :)

Danach gehts zur gemütlichen Runde auf den Parkplatz hinter unserer Unterkunft und Wädi offenbart uns eine seiner 2 Apérokisten, Inhalt flüssig mit Labels wie "Luzerner Alpenbitter", "Four Roses" etc.

Zum Schlummertrank wird noch die Shisha eingeheizt und so kommt es, dass Mitternacht vorüberzieht ohne dass wir es merken.

 

 

 

TAG 2, Montag 18.06.2017

POI: Monte Jafferau @2805m

 

Wir haben abgemacht uns nach 08:00 mal fürs Frühstuck zu treffen. Die Letzten waren kurz nach 07:00 aufm Parkplatz bereit :) Toll, scheinbar hatten alle gleichermassen das Reissen wie ich. Das Frühstück im Café Obelix beim Bahnhof fällt mit einem Espresso und einem Croissant/Brioche eher spärlich aus aber ausnahmsweise ist mir das heute gerade recht: Es gilt Land und vor allem Höhenmeter zu gewinnen.

 

Der Ausgang der heutigen Tour ist noch ungewiss. Am Abend vor unserer Abreise habe ich über die Jeep Community Schweiz auf Facebook noch mitgekriegt, dass der Jafferau in der Vorwoche ab 2400m stellenweise noch so zugeschneit war, dass er auch für Geländewagen nicht passierbar sei. Mal sehen, was die Sonne seither für uns getan hat.

 

Rund 20 Minuten nachdem wir Bardonecchia in Richtung Gleise verlassen haben, stehen wir am Anfang der Schotterpiste. Wo nicht permanent, wird der Allrad nun zugeschaltet. Stellenweise sind noch ein paar Schmelzwasserpfützen übrig geblieben, ansonsten scheint der letzte Winter nicht viel verändert zu haben. Bei schönstem Wetter windet sich unser Konvoi gemächlich den Hügel hoch. Mal fahr ich voraus, mal hinterher um etwas unterschiedliche Aufnahmen für die Contour Cam zu kriegen.

 

Auf Ca 2500m kommt unser Tross jedoch wie befürchtet zum Stehen. Der angedachte Weg ist mit einer Meterdicken Schneewächte versperrt. Ein findiger und offensichtlich fähiger Offroader hat dies insofern gelöst, dass er einfach den Schotterhügel zur rechten hochgekraxelt ist, stairway to heaven. Da es jedoch noch 300 Höhenmeter bis zum Fort auf dem Gipfel sind, wollen wir zuerst wissen wie es weiter oben aussieht, bevor wir uns eine Stunde lang mit Schaufeln an der Wächte gütlich tun, nur um danach herausszufinden, dass diese ihre ganze Familie mit auf dem Jafferau verteilt hat.

 

Der Jeep soll also einmal mehr in die Fusstapfen seines Ur-Ur-Grossvaters treten und auf Erkundungsmission gehen.

Rechts den steilen Hang hoch zufahren könnte sich jedoch noch als Knacknuss erweisen. Nicht zwingend wegen dem Anstieg, aber er scheint künstlich aufgeschüttet, und dies mit mittelgrossem, stehts losem Geröll. Reicht wohl als Untergrund für die Skipiste, mal sehen ob's für den Wrangler auch reicht. Mit Anlauf ist nichts, das Geröllfeld ist unten von einer tiefen Kerbe im Gelände abgetrennt. 

 

Also in die Untersetztung, Diffs sperren, sachte durch die Kerbe und sogleich ab dafür. Steine fliegen durch die Gegend, der kleine Diesel vorne drin röhrt und tut und macht und gerade als ich zu glauben beginne, dass es mir nach oben reicht, schaltet der Automat, angetörnt vom Momentum, in den 4. Gang hoch und wir saufen null-komma-plötzlich ab. Toll Toll Toll. Das erste Mal seit der Fahrprüfung, dass ich mir nen Handschalter wünsche. 

Ich breche den Versuch ab bevor der Wrangler es sich mit seinem Hängebauch auf dem Geröll gemütlich macht und setze etwas zurück. Der Versuch im Hang sachte nochmals anzufahren scheitert ebenfalls kläglich. Also zurück nach unten, den 2. Gang sperren und nochmals recht freundlich. Wir schaffen es. Oben angekommen sehe ich bereits die 2. Schneewächte welche die von links kommende Piste grosszügig bedeckt, rechts siehts besser aus. Ich gebe was ich sehe via Funk nach unten zum Rest durch, welcher beschliesst vorerst unten zu warten.  Wir kraxeln also langsam aber stetig den wiedergefundenen Trail im Hang hoch, als zwei ungläubig dreinblickende Motorradler entgegenkommen. Eine Serpentine weiter oben breche ich ab. Teile eines halbgeschmolzenen Schneefelds habe ich durchquert doch im Schattenhang oberhalb hat es eine weitere fette Schneewächte. Im gleichen Moment erwacht der Funk wieder zum Leben und mein Dad pfeift mich zurück.

 

 

Sie haben mit den Motorradlern gesprochen und wissen nun mit Sicherheit dass es bis hoch noch 2 Schneefelder sind und auf der anderen Seite das selbe nochmals. Sie seien mit Ach, Krach und Vorspuren mit ihren Maschinen durchgekommen, aufgrund des seitlichen Gefälles könnten wir das aber vergessen.

Alrighty then. Ich schleiche auf Zehenspitzen wieder nach unten.

 

Wir entscheiden den ganzen Weg (=20-30min) zurückzusetzen und die Alternativpiste nach dem Hotel Belvedere zu nehmen, welche uns untenrum dafür schneefrei zum Fort Foens, unserem Tagesziel bringen sollte.

 

 

Die Piste dahin befahre ich zum ersten Mal. Im Gegensatz zur Skipiste, ist der Weg hier Autobahn-like, der Platz aber sehr beschränkt. Nicht zuletzt weil der ganze Schnee zahlreiche Bäume gefällt  hat, die noch teilweise in die Fahrbahn hineinragen. An einer Stelle muss ein umgekippter Wurzelstrunk hangseitig cm genau umfahren werden ohne dabei rechts abzurutschen und ins Tal runter zu donnern.

 

Gegen 12:30 erreichen wir das Fort Foens, welches den Winter unbeschadet überstanden hat.

Wir stellen unseren Zirkus auf. Zwischen G und Wrangler wird das Tatonka TarpII gespannt und Klapptische und -Stühle ausgegraben.

 

 

Die georderte Markise wurde so ziemlich zur selben Zeit im Nachbarland ausgeliefert... (Herzlichen Dank an der Stelle an den unfähigsten Spediteur der Welt: Es braucht schon UPS, wenn man absolut sicher gehen will, dass ein Packet es innert 2 Wochen NICHT von Bayern ins Schweizer Mittelland schafft... In der Zeit hätte ich das Ding zu Fuss geholt und nach Hause gebuckelt :D :D :D)

 

All das habe ich jedoch erst später erfahren. Gerade bin ich von anderen Dingen viel zu fest vereinnahmt. Einerseits die Umgebung, an welcher ich mich scheinbar nie satt sehen kann obwohl ich schon zum 3 Mal auf Besuch hier bin. Die Sonne scheint, zur Verzierung hat es ein paar Wölkchen über den Berggipfeln.

 

 

"APÉROOOO!". Ich werde zurück ins Hier und Jetzt geholt. Unsere Tische werden beladen, anders kann man es nicht ausdrücken. Als passionierter Jäger hat Wädi Fleisch-Spezialitäten aus Eigenproduktion dabei, dass einem die Ohren abfallen: Fleischkäse, Speck, Würste, Schwartenmagen und hast nicht gesehen. Der Rest der Tische wird mit Brot, Gürkchen, Käse und anderen Beilagen überstellt. Daran dass es eigentlich nur ein Apéro ist und wir von Roli innert der kommenden Stunde noch mit Risotto, einer seiner Spezialitäten verköstigt werden, denkt gerade niemand.

 

Ich krame in den Wolfpack-Kisten und habe bald sowohl glühende Shisha-Kohlen als auch 8dl Kaffee aus meiner neuen Bialetti bereit. Soll noch wer behaupten Männer könnten nicht multitasken :)

 

Da wir für diesen Tag nichts mehr weiter zu tun haben, als wieder nach Bardonecchia herunter zu kurven, verweilen wir hier sicher 5 Stunden. Bei guten Gesprächen, noch besserem Essen und Shishagedampfe vergeht die Zeit wie im Flug.

 

Gegen 15:30 beschliessen wir den vorzüglichen Metzger im Bardonecchia morgen früh noch einen Besuch abzustatten und am Mittag auf dem Sommeiller zu grillieren. Da wir dort oben auf 3000 Metern bestenfalls die Schranken abfackeln können und sonst weit und breit nix aus Holz ist, müssen wir heute noch Vorräte vorbereiten. Wir sind in dem Moment ich. Dazu begebe ich mich aufs dach des Fort Foens, welches teilweise bewachsen ist. Einige Nadelbäume haben hier das Zeitliche gesegnet und bieten sich als Brennstoffspender an. Aus der "AHOI-Box" schnappe ich mir Bogensäge, Beil und Machete und mache mich an die Arbeit. Die Bogensäge entpuppt sich dabei als effektivstes Werkzeug und innert 30 Minuten ist der Inhalt meiner rechten EDAK-Kiste umgeladen und diese mit Brennholz gefüllt ist.

 

 

Kurz darauf machen wir uns auf den Weg ins Tal. Die 30minütige Abfahrt birgt keine besonderen Vorkommnisse oder herausvorderungen mit sich. Zu Beginn nehmen wir noch die eine oder andere Abkürzung, welche ich während früheren Besuchen schon beliebäugelt haben. Aber irgendwann landet man unweigerlich im Wald und windet sich durch rund 832 Millionen Serpentinen ins Tal hinunter. Dank dem neuen OME Fahrwerk im Wrangler geht's diesmal zumindest etwas Flotter und ohne Durchschlagen voran und so habe ich unten angekommen genügend Zeit um die Zieleinfahrt der anderen zu filmen.

 

Den Rest des Nachmittags verbringen wir damit durch Bardonecchia zu schlendern und uns ordentlich mit Fleisch für unser morgiges Grillvorhaben auf dem Sommeiller einzudecken. Die Holzkohle geht natürlich wieder vergessen... Der Abend verläuft nach Schema FF: Nochmals in die Pizzeria von gestern, heute einfach ohne Tiramisu dafür mit Proscuito-Funghi :) Das Ende ebenfalls im Kreis vor unserem Hotel bei Schlummi und Shisha.

 

 

 

 

TAG 3, Dienstag 19.06.2017 

POI: Col de Sommeiller @2993m

 

Wir treffen uns um 08:00 wieder vor unseren Zimmern und verschieben am DIY-Discocovery vorbei ins Café Obelix fürs Frühstück. Da mir dieses eigentlich heilig ist und ich mir massig und/oder anständigen Brennstoff gewohnt bin, fällts mir heut nicht mehr ganz so leicht schon wieder nur nen Kaffee und eine von Zucker überzogene, als Croissant getarnte und ultimativ in sich selbst implodierende Kalorienbombe einzuwerfen.

 

 

Danach gehts nochmals kurz ins Dorf, der gestern vergessen gegangenen Holzkohle nachrennen. Weit müssen wir aber nicht, gleich um die erste Ecke nachm Bahnhof hat's nen (wirklich) kleinen Hardwarestore der sowas führt. Wädi feilscht mit dem Besitzer anschliessend noch vorm Geschäft um einen neuen Campingstuhl. Die Art wie das vonstatten geht ist wahrlich unbeschreiblich und bevor es mich zum zweiten mal vor Lachen verbläst und der Besitzer vollends die Hände verwirft und Rechtsumkehrt macht, schaue ich zu dass ich Land gewinne. Die Hauptstrasse hoch im Touri/Spezialitätengeschäft hat's evt. noch einen guten Salami als Mitbringsel für meine Vielfrasse im Geschäft und ein paar Gläser lokalen Honig für mich und zum verschenken. Ich liege goldrichtig.

 

09:30: Unser Tross setzt sich wieder in Bewegung. Wir fahren weiter nach hinten ins Tal um für die Route auf den Col de Sommeiller. Das Wetter zeigt sich auch heute von seiner vermeintlich besten Seite. Unterkant sommerliche Temperaturen, strahlend blauer Himmel.

Wir schlängeln uns etwas zurückhaltend nach hinten ins Tal, die noch geteerte aber unübersichtliche Strasse entlang. Der Mercedes G voraus, gefolgt vom Landcruiser, Landy und den beiden Jeeps. Irgendwas ist mit dem Granny jedoch nicht kosher, dermassen kann doch auch ein Euro4 nicht rauchen und stinken :)

 

Nach ca 20 Minuten werden die Abgase jedoch dann in dichtem Staub gebunden. Die Schotterautobahn beginnt und ist trocken wie nur was. Anfangs noch ein paar Kehren hoch, kommen wir bald an den Lac de Rochemolles und einen kleinen Rastplatz. Dafür ist es jedoch noch etwas früh und so begutachten wir kurz den kleinen Holzbrunnen. Leider auch hier wieder die üblichen beknackten "Schwein Offroad go home"-Sprayereien.

 

Anstatt jetzt wieder eine Tirade über den Teil der "pseudo-intellektuellen, nicht zu Ende denkenden" Weltbevölkerung vom Zaun zu reissen, erzähl ich euch aber lieber noch ein Bisschen was vom für mich bisher schönsten Tag der Reise.

Kurz nach dem See beginnt sich das Tal wieder zu öffnen und gewährt einem einen ersten verheissungsvollen Blick auf die zu erklimmenden Berge.

 

10:45: Über mehrere Serpentinen erreichen wir das erste Plateau. Gerade aus gehts weiter Richtung Sommeiller, wir biegen jedoch vorerst mal noch links ab um in der kleinen Berghütte hier auf einen schnellen Kaffee einzukehren.

 

Das tolle daran: Die Hütte liegt in der linken Hälfte des Plateaus und ist durch einen Bach abgetrennt, Brücke Fehlanzeige: Yay! Der Bach ist derzeit zwar nur felgentief, aber egal: Für ein FCA-typisches "effektvolles Durchfahren einer jeden noch so kleinen Wasseransammlung" reicht es allemal.

 

 

Wow, hier könnt ich mir auch mal vorstellen zu übernachten. Neben der Hütte hat's noch zwei mini-Seen komplett mit Fischpopulation und Liegestühlen und am Rand des Plateaus/Kessels werden die beiden Bäche durch herabstürzende Wasserfälle gespiesen. Traumhaft!

 

Nach Kaffee, einem Apfel im Reaktor und Begutachten des Luzerner Landys in der Parking-Area, geht es wieder gewohnt effektvoll durch den Bach und dann links auf die Route hoch zum zweiten Plateau.

 

Das passende Zitat dazu wird zwar erst einen Monat in der Zukunft in Albanien geboren werden, aber weil's gerade so schön passt: "Geil! Endlich muss man mal ein Bisschen studieren wo und wie man durchfährt!".

So ist es. Im engen Zickzack geht es den Hang hinauf. Ausgerechnet die Kurven sind meist noch teils Schnee bedeckt, matschig und ausgefahren. Hier zeigte sich deutlich wie viel mehr Wert Erfahrung anstatt Technik hat. Als letzter im Tross konnte ich beobachten wie souverän auch der Toyo und Granny mit ihrer vergleichsweise eher geringen Bodenfreiheit und Verschränkung von Roli und Wädi in einer Sehlenruhe über jedes Hindernis maneuvriert wurden. Ok ab und zu war mal ein Rad ab Boden aber das tat dem Gesamtbild auch keinen Abbruch.

 

 Der Jungspund im Schlepptau mit Bodenfreiheit und Verschränkung auf Level Chernobyl-Bergziege hingegen musse 1-2 mal doch recht anständig Dreck durch die Gegend schleudern um weiterzukommen. Zumindest die Mountainbiker halten so immer genügend Abstand :)

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit und der letzten Kehre erreichen wir das zweite Plateau und wie uns schnell bewusst wird, wohl auch das Ende der Fahnenstange für heute. Am anderen Ende des Plateaus zeichnen sich bereits die nächsten Serpetinen ab... und eine deftige Schneewächte. Einen Meter dick und um die 50 Meter breit, mit guten Chancen auf mehr davon sobald man um die Ecke gebogen ist.

Auf 2400m ist somit für uns schon Ende Gelände... UND Anfang Grill :)

 

 

 

12:30: Mittagszeit! Das Tarp ist gespannt, Tische und Apéro sind aufgebaut und die Shisha ist in der Mache. Das ist das Leben: Umgeben von tollen Menschen und Bergpanorama alle Viere von sich strecken und die Seele baumeln lassen. Awesome!

Es ist schon wie verhext. Jedes mal wenn ich in den Westalpen unterwegs bin, scheint eine neue Route aus irgendeinem Grund nicht klappen zu wollen. Aber das verdirbt mir jetzt ganz sicher nicht die Stimmung. So habe ich immer einen Grund wieder zu kommen. Die Zeit verfliegt wiedermal. Es wird gemampft, gedampft, getrunken und geplaudert, dass selbst die Hobbits neidisch würden.

 

Der Versuch ein Feuer mit dem gestern gesammelten Holz zu entfachen, erweist sich als schwieriger als erwartet: Die Feuchtigkeit im Innern hat die Hitze in der geschlossenen EDAK-Kiste auf dem Dach wohl als Aufforderung zum Tanz verstanden und sich seit gestern Nachmittag bestens ausgebreitet. Es qualmt wie am ersten Tag bei den Pfadfindern. Roli entdeckt per zufall in einer Felsspalte ein kleines Holzdepot der Güteklasse: Furztrocken. Das bestehende Geloder wird mit dem neuen Zunder und bald auch der Holzkohle supplementiert und in Nullkommanix haben wir eine Glut, die unseren 2.5kg Steak auch würdig ist.

Der Rest unseres mitgebrachten Holzes spenden wir dem Depot.

 

Die Sonne wandert. Wir haben immer mal wieder vorbeiziehenden Besuch. Motorradfahrer, ein junges Päärchen in einem alten VW Bus, ein ATV... alles nur nicht die erhoffte Schneefräse :D

Zwei der Motorradfahrer, Vater und Sohn ausm grossen Kanton, gesellen sich kurz zu uns zum Plaudern. Es stellt sich heraus, dass sie die beiden waren, die mir gestern kurz vor Ende Gelände auf dem Jafferau entgegengekommen sind.

Wir tauschen noch ein paar Routentipps und nehmen einen Kurzen aus Wädis Muntermacherkiste, bevor sie sich wieder an auf den Rückweg machen.

Danach machten wir uns über unsere Steaks her, eine Gaumenfreude sondergleichen.

 

Gegen 16.30 machen wir uns nach gaaaaanz langsaaamem Einräumen unserer Kutschen wieder auf den Weg ins Tal hinunter. Circa in der Mitte der Serpentinen aufs 2. Plateau hinunter, steht in einer Kurve ein Feuerrotes Buschtaxi mit einem Päärchen um die 50 oder so drin. Sie seien in der letzten Kurve mit dem Wagen gerade aufgesessen und machen sich deshalb auf den Rückweg... Ich kann nur erahnen, wie meine Gesichtsentgleisung beim Verarbeiten dieses Statements ausgesehen haben muss, hab mich dann aber darauf besonnen, dass die beiden ja vielleicht noch neuer im Geschäft sind als ich selbst. Habe ihnen auf jeden Fall weiterhin sichere Fahrt und eine tolle Reise gewünscht.

 

 

Zurück aufm 1. Plateau wurde der Wunsch nach Kaffee laut. Soll mir recht sein, kann der Wrangler nochmals plantschen gehn :) Ich bleibe diesmal jedoch draussen und lasse einfach die Umgebung nochmals etwas auf mich wirken. Sie geht wie durch einen hindurch... Die Wasserfälle, die beiden Teiche, das satte Grün und die Bergspitzen... Schon jetzt steht für mich fest: Ich werde wieder hierher kommen.

 

Weil die Cuisine Royal heute geschlossen hat, müssen wir uns zurück in Bardonecchia eine neue Futterkrippe suchen. Nachdem wir uns den Staub abgewaschen haben, müssen wir nicht lange suchen: Auf der anderen Seite der Bahngeleise werden wir schnell fündig und ebenso schnell bewirtet. Das Essen ist auch hier im im "la Filanda" superlecker und das Bier tut seinen Dienst.

Da ich jedoch aufgrund der nachmittäglichen Überdosis Fleisch noch nicht wirklich so Lust auf solide Nahrung habe, bestelle ich mir gleich zum Hauptgang ein hausgemachtes Tiramisu... Welches Lust auf mehr macht, also rollt bald darauf schon das 2te an. Ich hab schliesslich nur gesagt, dass ich mir am Morgen was gescheites gewohnt bin und abgesehen davon hab ich Ferien :)

 

Bevor wir uns wieder zu unserer all-abendlichen Runde vorm Hotel gesellen, werden noch schnell die Cam Speicher gelehrt, und alles für die morgige Weiterreise vorbereitet. Mit MDMOT Tourenbuch und der Strassenkarte co-referenziert, plotte ich noch schnell die morgige Route über den Colle de Finestre ins OSMand ein. Allzu spät wird es heute aber nicht werden, wir haben morgen ausnahmsweise mal wieder einen etwas längeren Weg vor uns.

 

 

TAG 4, Mittwoch 20.06.2017 

POI: Colle delle Finestre @2180m

 

Heute verlassen wir Bardonecchia und schieben weiter südwärts nach Limone Piemonte, am Fuss des Tendepasses. Wie bereits im letzten Bericht erwähnt, eine recht lange und öde Fahrt. Drum wollten wir sie zumindest zu Beginn noch etwas aufpeppen und den Colle delle Finestre unter die Räder nehmen. Wir stehen gewohnt zeitig auf, da wir heute wirklich den ganzen Tag auf Achse sein werden.

In Susa, östlich von Bardonecchia wird erstmals vollgetankt. Danach steht der obligate Besuch im Lidl in Susa an. Nach nur Steak, Pizza, Pasta und Tiramisu der letzten Tage wurde vermehrt der Ruf nach frischem Gemüse laut. Jedoch müssen wir uns noch bis Morgen gedulden, das Vorhaben <<Minestrone Grande>> muss aus Zeitgründen auf die LGKS verschoben werden. Heute haben wir die Zeit für Stundenlanges Kochen leider nicht. Ich halte mich beim Rausgehen ausm Lidl wieder an einer Kiste "Trebiano Rubicon-e" Weissweingesprudel fest. Für 1.49€ die Flasche eine wirklich exzellente Namenswahl hehehe.

 

Nach dem Einkauf fahren wir ein paar hundert Meter zurück und biegen dann links ab um langsam für den Colle delle Finestre einzumitten. Zu Beginn gehts noch durch ein paar Dörfer und wir schlagen OSMand-/G-bedingt ein paar unnötige Haken bevor wir auf die Serpentinenstrasse einschlagen, die sich über knapp 30 kehren durch einen dichten Mischwald den Hügel hochschlängelt.

 

 

Auch danach geht's noch ein rechtes Stück geteert weiter und ich befürchte schon das Schlimmste. Es soll jedoch nicht so kommen:

 

09:45 Noch bevor wir ins Freie kommen, versiegt der Strassenbelag und weicht einer grosszügigen gelbgrauen Schotterpiste, die sich in laaanggezogenen Kurven zwischen blühenden Bergwiesen den Hügel hochschlängelt. Vor uns ist zu Beginn noch ein kleiner Ford Cityflitzer, welcher auch gleich alles über den Schwierigkeitsgrad der Piste aussagt. Er lässt uns aber freundlicherweise gleich vorbeiziehen.

Herrlich: ESP ausschalten, eine Detroiter Krachscheibe eingelegen und beherzt drauftreten. "If stones ain't flying, you ain't trying". Der so immer wieder aufgebaute Vorsprung auf den Rest des Tross verschafft mir hierbei die Möglichkeit für ein paar Schnappschüsse, und diese wiederum ein Alibi :)

 

10:30: Wir sind oben, auf  2176m: Ich wär am liebsten gleich nochmals runter um erneut hochzuspeeden.

Rechterhand ist bei der Anfahrt schon das kleine Fort zu sehen welches, eingebettet zwischen den Hügeln, über das Tal wacht.

 

Wir stellen die Fahrzeuge an den Strassenrand und machen uns zu Fuss auf die Bauten zu erkunden. Es ist gut erhalten. Jedoch sind sämtliche Fenster zugemauert und die zahlreichen Schiessscharten sind bei weitem zu eng um sich hier ohne Krachbumgerätschaften Zutritt verschaffen zu können.

 

Ich klettere also links hoch aufs Dach, welches mit einer üppigen Alpenwiese bewachsen ist, niiice.

 

Trotz der Idylle schweifen meine Gedanken kurz ab wenn ich so nordwärts von der Anlage herunterschaue: Wer auch immer in kriegerischer Absicht von Norden her nach hier hoch gewollt hat, hätte "einen echt beschissenen Tag haben" völlig neu definiert.

 

Auf dem Rückweg zum Fahrzeug sehe ich noch einen Jeep Commander XK sich den Weg hinunterschlängeln. An der Stelle würde ich raten, die Route wie wir von Norden her zu befahren, weil auf dieser Seite des Kamms erstens mehr und zweitens die interessantere Schotterpiste liegt um hochzublochen.

 

Kurz vor 11:00 machen wir uns wieder auf den Weg. Dieser ist auf der Südseite des Kamms bis oben getehrt. Also geht jetzt noch dahin, bevor es der Nordseite gleich ergangen ist...

 

 

Nach einigen Kurven haben wir jedoch die Möglichkeit links wieder auf Schotter abzubiegen. Zwar nicht die Route die ich gestern Abend eingeplottet habe, aber scheint am Ende auch ins Tal zu führen. Meine Weggefährten stimmen ebenfalls zu auf gut Glück zu fahren, mit der Auflage jetzt dann mal eine Kaffeepause einzulegen.

Nach einer kurzen Fahrt durch den spürbar kühleren Wald, erscheint vor uns eine kleine Campsite mit ein paar Holzbänken, wir fahren rechts ran.

 

Vor lauter Kaffeekocher und Kekse rauskramen, fällt mir weder das Schild, noch die Bauten gleich schräg gegenüber in der Kurve auf: das Fort Serre Marie, resp. dessen Überresten.

Der Gaskocher kann dann erstmal alleine weiterheizen. Über einen kleinen Fusspfad gelangt man nach unten. Leider ist die Brücke nach drinnen kaputt, also muss ich mich mit dem begnügen, was es von Aussen zu sehen gibt.

 

Danach nehmen ihr einen zweiten Anlauf für die Kaffeepause. Ein paar Motorräder ziehen währenddessen vorbei als auch der schwarze Jeep Commander (XK/XH, 3.0l Diesel) von vorhin

 

12:00 Nachdem die Aldikekse als excellent befunden wurden und der Abwasch erledigt ist, machen wir uns wieder an den Abstieg. Die Schotterpiste zieht sich einige Kilometer weiter und beschert uns noch die eine oder andere schöne Aussicht, bevor sie für das letzte Stück in Asphalt übergeht. Der XK/XH den wir mittlerweile wieder eingeholt haben, biegt hier links ab. Da oben muss gem. OSMand evt. auch noch etwas Schotter umzudrehen sein, aber auf den ersten Blick nix zielführendes.

 

Einige Zeit und Serpentinen später kommen wir in der Ortschaft "Depot" an und halten links. Bei angenehmen 30°C gehts (mal wieder) durch die Ebene, um Cuneo herum um den Verkehr zu umfahren, und schliesslich nach Limone Piemonte am Fuss des Tendepasses. Auf den letzten Kilometern setzt unverhofft Regen ein. Ich habe insgeheim schon Visionen von einer zugematschten LGKS und einem total eingesauten Jeep wie er im Buche steht, aber ja.... "on va voir".

 

 

15:00 Im Hotel Edelweiss angekommen und eingecheckt fragen wir uns, was nun?Zu abend essen werden wir garantiert hier, wo die Küche ihres gleichen sucht. Das kleine Bed and Breakfast ist ein Familienbetrieb und liest einem quasi jeden Wunsch von den Augen ab.

 

Abendessen ist aber erst um 20:00. Pro Gang stehen jeweils 2-3 Optionen zur Auswahl, welche man im Voraus immer schon auswählt, wenn man denn im Edelweiss essen will.

Das Dorf Limone selbst gibt nicht sooo viel her und wenn wir  jetzt bereits anfangen uns auf der gemütlichen Terasse abzudichten, wird das mit der Bestellung um 20:00 wohl nicht unwesentlich schwieriger werden :)

 

Adrian beschliesst sich aufs Ohr zu hauen, er hat seit gestern Probleme mit seinem Magen. Der Rest hat noch das Reissen und beschliesst von unserer Seite des Tendes her mal noch eben auf nen Apéro zum Fort Central hochzufahren.

Bis auf die letzten paar hundert Meter ist alles noch asphaltiert, die grösste "Herausforderung" sind die wenigen Schlaglöcher.

 

Wir haben seitm Sparflammenfrühstück in Bardonecchia und den paar Keksen und Äpfeln übern Mittag heute noch nichts zwischen die Rippen gekriegt, das Tempo wird dem Hunger und der Strasse angepasst und anstatt der 30er Tafel (unschuldig, war zu hinterst). Kurz vor Schluss vorm Abzweiger Richtung Fort überholt uns trotzdem noch ein Local, mein schlechtes Gewissen hält sich folglich in Grenzen.

 

 

15:30: Wir befinden uns auf 1900m und halten auf das Fort Central zu. Der Kontrast des Teils verhangenen, teils blauen Himmels, den beigen Fortmauern, Wiesen und Hügeln erschafft eine unglaublich tolle Atmosphäre.. Mir stellen sich beim Anblick die Haare auf, man könnte von einem Hühnerkombi sprechen.

 

Nach den besagten paar hundert Metern Schotter Fahren wir in den Innenhof des Fort Central ein und beginnen unser behelfsmässiges Apéro-Camp in aller Hast aufzustellen. Wädis berühmt-berüchtigten beiden Kisten kommen auf den Tisch, supplementiert mit ein paar frischen Einkäufen ausm Lidl heute Morgen. Wir beschliessen ebenfalls das Tarp noch zu spannen, für den Fall dass der bisher fast inexistente Regen noch einen Change of Heart hat. Keine Minute zu früh, wir sonst gewaschen worden.

 

Borderline überfressen, machen wir uns auf das Fort zu erkunden. Auf einmal ist niemand mehr da. Wädi ist als einziger das erste Mal im Fort Central und vielleicht auch gerade wegen der speziellen Wetterkonstellation so überwältigt, dass er kaum mehr aus dem Schwärmen heraus kommt. Die Sonne scheint mittlerweile wieder die Oberhand zu gewinnen und beschert uns ein paar besonders schöne Eindrücke.

 

Der befahrbare Teil des Forts ist schnell gesehen, interessanter ist jedoch das Hauptfort oberhalb. Weil ich dieses bei meinem ersten Besuch noch nicht gesehen hatte, mache ich mich direkt dahin auf und klettere durch eine Schiessscharte ins Gebäude und den Innenhof... Nur um festzustellen, dass auf der linken Seite ein grosses und vor allem offenes Tor gewesen wäre... egal :D

 

Dieser Teil des Forts ist wirklich noch sehr gut erhalten und man kann überall rein. Die Innenhöfe sind mit Rasen und teilweise hohem Gras bewachsen. Aus dem Gebäudeinnern kann man sich durch die Schiessscharten ein Bild von der Umgebung machen wie es die Besatzung vor mehr als einem halben Jahrhundert hatte und begreift schnell, warum das Fort damals genau hier platziert wurde.

Jeder von uns scheint die Stille und Einsamkeit zu geniessen. Hier ist sonst weit und breit keine Menschenseele zu sehen oder zu hören.

 

 18:00 Nach und nach findet sich einer um den Anderen wieder im Camp Mampferotti ein. Es wird gequalmt, geschwärmt und gefachsimpelt bis wir rund eine Stunde später unseren Zirkus wieder einpacken um zurück nach Limone ins Edelweiss zu schieben. Eine Stunde bis Abendessen.... Hunger: Zero... erfüllt... *Facepalm*

 

20:20: "Sie können einfach nachbestellen wenn sie Supplement möchten". Danke Gott, die Portionen sind klein und erst auf Wunsch wird nachgeschöpft. Ein Wunsch der heute nie geäussert werden sollte, auch wenn das Essen noch so fein ist... Vielmehr kämpfen wir uns durch die zahlreichen Gänge, auch wenn diese eher überschaubar sind. Unser neuer bester Freund, der Golden-Retriever der GastFamilie, greift uns wo nötig noch etwas unter die Arme wenn grad niemand hinschaut.

 

Hier schwimmt das Abendessen noch: Die Forelle links aussen hätte mir besser nicht so frech die Zunge rausgestreckt. Köstlich :D

 

Gesprächsthema Nr. 1 während des Abendessens ist, dass der TendeTunnel morgen geschlossen sein soll... Was eher schlecht in unser Konzept passen würde. Ich fahre lieber konstant etwas hoch als alles zu Beginn auf einmal und nachher ständig bergab mit Gängen sperren und auf der Bremse kleben.

Wenn wir das nicht wollen, müssen wir irgendwie zuerst auf die andere Seite des Tendepasses kommen um dann bei la Brigue auf die Via del Sale einzufädeln.

Alternativen:

-Die ganze Piste morgen 2 mal fahren um wieder nach Limone zurück zu kommen: Nein danke.

-Nur die Hälfte fahren, nach Monesi und dann nen riesen Umweg zurück oder ebenfalls den gleichen, halben Weg weg zurück: Auch eher ungern

-Sehen ob wir anstatt unten durch, ÜBER den Tendepass auf der alten Route fahren könnten und dann wie geplant von Süden nach Norden zurück. Auch das würde ein extrem langer langer Tag werden mit weit über 100km Piste. Die Route habe ich vorsorglich schon im Fort oben im OSMand aufs Tablet gezimmert. Better safe than sorry...

 

 

 

Ich weis gar nicht mehr wer heute Nachmittag damit angefangen hatte, aber schlussendlich bekamen wir dann von der Chefin pünktlich aufs Dessert verlässliche Info, dass der Tunnel Morgen offen sei. Schade, insgeheim hätte ich mich gerne an die alte Route über den Tende gemacht, nicht zuletzt wegen dem verheissungsvollen Schild an deren Startpunkt:

 

"Interdit sauf 4x4" => Mehr Schilder wie dich braucht die Welt :-*

 

Ebenfalls hat sie eine speziell für mich wichtige Information betreffs morgen Abend: Zum Dessert sei dann hausgemachtes Tiramisu vorgesehen :D Ich nehme mir fest vor, morgen tagsüber den Gürtel enger zu schnallen und zumindest ein Hühnerauge auf das Timing der Nahrungsaufnahme zu werfen, um dann am Abend beim Dessert den bestmöglichen "Effect on Target" zu haben :)

 

Heute Abend wird keiner von uns alt. Adrians Magen hat sich zwar wieder etwas beruhigt aber wirklich fit ist er noch nicht. Und für den Rest von uns Fresssäcken ist noch nicht allzu lange nach 22:00 Foodcoma angesagt. Eine passive aber deshalb nicht weniger weise Entscheidung in Anbetracht dessen, dass morgen 1. anders kommen sollte, und 2. als geplant.

 

 

 

TAG 5, Donnerstag 21.06.2017 

POI: LigurischeGrenzKammStrasse/ la Via del Sale @~600-2200m

 

 

Ihr seid noch da? Gut, denn das Beste kommt zum Schluss: Heute wollen wir uns die Via del Sale von Süden nach Norden vornehmen und unterwegs Minestrone mit allem und scharf kochen. Uns erwartet die bisher längste und potentiell anspruchsvollste Piste des Trips. Im Deutschsprachigen Raum wird sie auch "die lombardische Salzstrasse" genannt. in der Antike wurde sie zum Handel benutzt. Von Norden erreichten so Baumwolle und Waffen aus dem Inland die Hafenstadt Genua. Auf dem Weg zurück von der Meeresküste wurde primär wertvolles Salz transportiert. Tadaaaa!

 

Um 07:30 treffen wir uns am Frühstücksbuffet. Es gibt Säfte & Milch, eine Kaffeemaschine, div. Müsli, Brot und Croissants mit diversen aufstrichen sowie Aufschnitt und Käse. SO sieht für mich ein richtiges Frühstück aus resp. daraus kann ich mir eines zimmern. Dies spielt gerade wunderbar in meine Dessert-Futterstrategie für heute Abend.

 

Gegen 09:50 setzt sich unser Konvoi in Bewegung... und kommt ein, zwei KM später bereits wieder zum stehen: Der Tendetunnel ist nur in eine Richtung befahrbar, hat aber von beiden Seiten Verkehr. Also ist er mal ~25min in die eine, dann ~25min in die andere Richtung befahrbar. "Timing is everything", als wir an den Eingang heranfahren steht noch 21min Wartezeit auf der Uhr :D

Auch wenn man Durchfahren kann ist Vorsicht geboten, manchmal kommen Fahrradfahrer für ihre Tour auf die Idee durch den Tunnel zu fahren... und brauchen teilweise mehr als die zur Verfügung stehende Zeit dafür.

 

Gegen 10:30 haben wir den Tunnel durchquert und folgen der Strasse. Es folgt das Dorf Tende und einige Alleen und Brücken bis wir schliesslich nach La Brigue kommen und der Asphalt wieder Schotter weicht. Oder sollte ich sagen Staub resp Kalkpulver? Die gestrigen Regenschauer haben es entweder nicht übern Kamm geschafft oder waren sprichwörtlich nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Nix gewesen mit Schlammpackung heute. Auf jeden Fall empfiehlt es sich, 500m Abstand zum Vordermann zu halten auch wenn dadurch die Sichtverbindung permanent flöten geht. Wenn es auf einmal aufhört zwischen den Zähnen zu scheuern, ist man falsch abgebogen^^ 

Die Alternative heisst Staub fressen und das mit der Schöpfkelle. Zumindest für Leute wie mich, die ausser bei Sintflut immer alle Scheiben unten haben...

 

 

So geht es die ersten Kilometer während wir uns den Berg hochschlängeln.

Auf ungefähr der halben Höhe treffe ich auf zwei Quad-Fahrer, welche sogleich Reissaus nehmen und vor mir den Hügel hochpreschen. Dank deren montierten Trecker-MT-Reifen veringert sich die Sicht schlagartig wieder auf 0. Ich lege eine Pause ein und nutze die Zeit für ein paar Schnappschüsse.

Wir treffen uns wenig später an der ersten Verzweigung wieder und ziehen gleich weiter.

 

Die Route führt nun durch den Wald, welcher auch zu dieser Tageszeit noch angenehm kühl ist.

 

Um 11:30 verlassen wir diesen und kommen auf der Krete an. Hier wechseln wir die Kammseite und es geht vorerst wieder abwärts mit uns. Das selbe gilt für den Fahrkomfort: Der Schotter wird langsam aber sicher grober und die Piste holpriger.

 

An der Verzweigung Via del Sale <=> Monesi biegen wir rechts ab, ab von der eigentlichen LGKS. Denn wir wollen "bei den Eseln" vorbei, welche weiter oben im Sommer einen kurzen Tunnel behausen. Zumindest war das vergangenes Jahr so. Das Geholper nimmt weiter zu, was aber mehr Einfluss auf die Stossdämpfer hat als auf mein Fahrverhalten. Der Grand Cherokee vor mir nimmt einige Wasserabläufe quer um nicht aufzusitzen, für den Wrangler ist die Piste keine Herausforderung. So habe ich mehr Zeit die einmal mehr fabelhafte Aussicht zu meiner Rechten zu geniessen. 20 Minuten später gibts wieder etwas Abkühlung als es durch einen Tunnel geht.

 

 

Die Erholungsphase ist jedoch von kurzer Dauer bevor es, mal etwas runter, mal etwas rauf auf ungefähr gleicher Höhe für 20min weiter den Berg Entlang geht biiiis.... AUS!

 

Die Strasse nach Monesi ist gesperrt, Felsrutsch der nicht umfahrbar ist. Meine Informationen besagten zwar, dass dieser erst lange nach Monesi und umfahrbar sei, aber das ist nun auch egal. Im selben Moment kommen uns ein paar Locals von eben dort in einem Suzuki Jimny entgegen. Jup, da sei wirklich kein Durchkommen.